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Fussball RSL - 19/20 - FC Basel 1893 vs. FC Sion - 28-06-2020 Zuschauer limitiert erlaubt, beim Raiffeisen Super League Fussballspiel zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Sion, am Sonntag, den 28. Juni 2020 im St. Jakob-Park in Basel. *** Football RSL 19 20 FC Basel 1893 vs FC Sion 28 06 2020 Limited spectators allowed to watch the Raiffeisen Super League football match between FC Basel 1893 and FC Sion on Sunday, 28 June 2020 at St Jakob Park in Basel Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/GerdxGruendlx

Während der Pandemie im vergangenen Sommer, als nur vereinzelte Fans zugelassen waren. Bild: www.imago-images.de

Was es für den FC Basel bedeutet, wenn Tausende ihr Saisonabo zurückgeben

Die Muttenzerkurve fordert alle FCB-Fans auf, ihre Saisonkarten zu retournieren. Sie hofft damit, Besitzer Bernhard Burgener im Mark zu treffen.

Céline Feller / CH Media



«Rot isch unseri Liebi, Blau die ewigi Treui.» So lautet der Slogan der Muttenzerkurve. Sie schwören Verbundenheit mit ihrem Verein. Ewig. Endlich hingegen scheint die Geduld des harten Kerns der Fans des FC Basel zu sein. Jedenfalls dann, wenn es um die Machtstreitigkeiten zwischen Bernhard Burgener und David Degen geht. Und vor allem darum, dass Burgener gedenkt, seine Anteile an die von ihm initiierte Briefkastenfirma Basel Dream & Visions AG zu veräussern.

Dass der Verwaltungsrat der FC Basel Holding AG diesem Vorhaben am Montag zugestimmt hatte und gar noch Degen dazu zwingen möchte, seine Anteile ebenfalls zu verkaufen, sei «ein weiterer Nagel, der in den Sarg des FC Basel geschlagen wird.» So formuliert es die Muttenzerkurve in einem Communiqué, welches am frühen Mittwochmorgen auf ihrer Homepage aufgeschaltet wird. Und weiter: «Sollte dies wirklich Realität werden, würde dies den Zerfall der Institution FCB und seiner Gemeinschaft ungeahnt beschleunigen.»

Die Zeichen der Fans werden heftiger

Man müsse sich der drohenden Zäsur auf allen Ebenen und mit allen Möglichkeiten widersetzen. Darum sieht sich die Kurve nach weiteren, noch heftigeren Zeichen gezwungen, als sie sie bereits zuletzt ausgesendet hat. Man erinnere sich: Jüngst waren es Plakataktionen bei Sponsoren, eine Versammlung von fast 7000 Menschen, die vor dem Joggeli gegen den Präsidenten demonstrierten sowie ein Marsch quer durch Basel.

In der Mitteilung vom Mittwoch fordert die Kurve nun so deutlich wie heftig: Alle FCB-Fans sollen an diesem Samstag zwischen 11 und 12 Uhr beim Fanshop anstehen und ihre Saisonkarten abgeben. Mit Abstand und Maske, natürlich. «Bequemlichkeit zählt nicht. Wer aber wirklich nicht da ist, soll die Karte jemandem mitgeben oder sie dem FCB per Post schicken», so die Kurve weiter. Und wer sie noch gar nicht erhalten hat, solle seinen Verzicht vor Ort deutlich machen.

Im St. Jakob Park in Basel, das umgebaut wird und deshalb nicht ueberall gedeckt ist, sitzen am Sonntag, 9. April 2006 die Zuschauer im Super League Spiel zwischen dem FC Basel und Neuchatel Xamax zum Teil im Regen. (KEYSTONE/ Georgios Kefalas)

Sieht es in Basel bald so aus, auch wenn wieder Zuschauer zugelassen sind? Bild: KEYSTONE

«FC Basel, du lässt mir keine andere Wahl»

Die Kurve gibt ihre Saisonkarten zurück. Viel deutlicher kann sich eine Fanbasis kaum distanzieren. Auch in Zeiten von Corona, in denen die Fans gar nicht ins Stadion können. Es geht viel mehr um die Symbolik, die Tragweite dieser Aktion.

Sie soll an jene Tage erinnern, an denen man beim Fanshop beim Joggeli stundenlang anstehen musste, um Tickets für Spiele in der Champions League zu ergattern. Jetzt soll man anstehen, um seine Abneigung deutlich zu machen. Die Kurve betitelt den Wert der Saisonkarte als «fast unantastbar».

Als umso heftiger ist dieser Schritt zu werten. Diverse Fans geben auch zu, dass ihnen dieser weh tun werde. So schreibt ein Twitter-User sinnbildlich für wohl viele Leidensgenossen:

Die Basis, auf der der Verein aufgebaut ist

Der Akt sei keiner, bei dem man sich vom Verein abwende, hält die Kurve jedoch fest. Es gehe auch nicht darum, dass man fortan nie wieder ein Spiel besuchen wolle und werde. Aber der Druck auf Besitzer Burgener müsse maximal erhöht werden, damit der Weg frei gemacht werden könne für einen Neuanfang. Denn nur ein solcher könne «den dramatischen Rückgang bei den Saisonkarten mit seinen finanziellen Auswirkungen abwenden.»

Und die finanziellen Auswirkungen eines markanten Rückgangs bei den Saisonabos sind genau das, was die Kurve glaubt, treffe Burgener ins Mark. Sie verorten seine Achillesferse bei ausbleibendem Geldzufluss. Und dürften nicht ganz falsch liegen.

Denn Burgener betont immer wieder die Bedeutung der Fans und der Jahreskarten. Nicht nur ihrer Symbolik wegen, sondern weil die Einnahmen aus dem Ticketing jeweils einen Grossteil des Ertrags beim FCB ausmachen. Sie sind eine der drei tragenden Säulen, auf denen der FCB finanziell gebaut ist: Ticketing, Transfers, Sponsoring.

Die Zahlen bei den Matcheinnahmen sind ohnehin schon rückläufig

Im Geschäftsjahr 2017 betrugen die Matcheinnahmen (plus Business Seats) rund 26,7 Millionen Franken. Der Gesamtertrag lag bei 88,4 Millionen. 2018 waren es 21,5 Millionen von einem totalen Ertrag von 97,7 Millionen, 2019 noch 17,9 Millionen von insgesamt 69,1 Millionen. Und im Pandemiejahr 2020 sank die Zahl bereits auf 7,7 Millionen, der totale Ertrag lag bei 67 Millionen.

Fans und Zuschauer treffen am 2. Juni 2007 zum Freundschaftsspiel Schweiz - Argentinien im St. Jakob Park in Basel ein. Das Spiel endete mit einem 1:1 Unentschieden. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Supporters of the Swiss National Football Team walk to the ascents before the friendly international match between Switzerland and Argentina in the St. Jakob Park stadium in Basle, Switzerland, pictured on June 2, 2007. The two teams tied with a 1:1 final score. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Es strömten schon vor der Pandemie nicht mehr ganz so viele Fans ins Stadion wie einst. Bild: KEYSTONE

Dass die Fans jetzt die bis Sommer gültigen Karten zurückgeben wollen, die sie aus Grosszügigkeit des FCB ohnehin vergünstigt bezogen oder gar nicht bezahlt haben, wird sich kurzfristig logischerweise nicht auf die Bilanz auswirken.

Dies wird aber eintreffen, wenn die Fans nicht nur jetzt ihre Karten retournieren, sondern im Sommer auch darauf verzichten, sich eine neue zu leisten. Und genau das kündigt die Kurve an: «Bei einer weiteren Saison mit Bernhard Burgener wird es im ganzen Joggeli mehr als genügend freie Plätze haben.»

Der Schlüssel zum Neustart sei einzig David Degen, welchen die Kurve aber auch in die Pflicht nimmt, was die Transparenz angeht. Wie der FCB auf den wohl beachtlichen Aufmarsch am Samstag reagieren wird, ist unklar. Der Verein verzichtete auf Anfrage auf eine Stellungnahme.

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Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener

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Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener
quelle: keystone / georgios kefalas
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