Sport
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Die gelben Stuehle, welche den Schriftzug Stadion Wankdorf praesentieren, sind auf der Gegentribuene im Heimstadion der Young Boys fertig eingebaut, am Mittwoch, 1. Juli 2020 in Bern. Das 2005 eroeffnete Stadion, welches als Stade de Suisse am gleichen Ort wie das erste, ab 1925, und das zweite Wankdorffstadion, ab 1954, gebaut wurde, heisst seit dem 1. Juli 2020 wieder Wankdorf. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Gegen die Roma dürfen nur rund 600 Zuschauer ins Stadion. Bild: keystone

Interview

YB-Boss Spycher zu Geisterspiel: «Die Kehrtwende führt auch im Team zu vielen Fragen»

Die Auftakt-Partie der Europa League gegen die AS Roma sollte zum ersten Saisonhöhepunkt der Young Boys werden. Nach einem Entscheid der Berner Kantonsregierung rückte das Spiel für Sportchef Christoph Spycher zuletzt aus dem Fokus.

Markus Stalder / KeystONE-SDA



Christoph Spycher, wie stark freuen Sie sich auf den Europacup-Auftakt am Donnerstag, im Wankdorf gegen die AS Roma?
Christoph Spycher:
Die Vorfreude wird vor allem am Donnerstag gross sein. Die letzten Tage waren aufgrund der Entscheide vom Sonntag intensiv, es gab viele Nebenschauplätze. Darum konnte ich mich bislang nicht wirklich freuen. Wenn es aber näher auf das Spiel zugeht, wird schon Freude aufkommen. Es ist ein grosser Match für uns, der leider nicht die Kulisse erhält, die er verdient.

Sie erwähnen den letzten Sonntag. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?
Als ein Wechselbad der Gefühle. Ich habe ein Tennisturnier meines Sohnes besucht, daneben die Bundesrats-PK via Liveticker verfolgt. Als ich die Tennis-Halle später verliess, erfuhr ich, dass der Kanton Bern einen anderen Entscheid getroffen hat.

RETROSPECTIVE DE L'ANNEE 2018 - POUR LE TEXTE DE KEYSTONE-ATS SUR LES YOUNG BOYS NOUS VOUS FOURNISSONS LES IMAGES SUIVANTES - YB-Sportchef Christoph Spycher spricht an einem Interviewtermin, am Freitag, 14. Dezember 2018, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

YB-Sportchef Christoph Spycher. Bild: KEYSTONE

Jetzt gilt für die Berner Profiklubs wie die Young Boys, den FC Thun, aber auch den SC Bern, die SCL Tigers oder Langenthal eine Zuschauerbegrenzung von maximal 1000 Personen. Am Mittwoch haben nun weitere Kantone nachgezogen. Wie beurteilen Sie den Entscheid der Berner Behörden?
Für mich war das Vorpreschen ein Schock. Wir empfinden natürlich grossen Frust, haben dies am Montag auch so kommuniziert, zumal wir nicht angehört wurden, um über gemeinsame Lösungen zu diskutieren. Nichtsdestotrotz gilt es nun nach vorne zu schauen und Lösungen zu finden.

Wie hat die Mannschaft den Entscheid aufgenommen? Wird er innerhalb des Teams überhaupt thematisiert?
Es ist ein grosses Thema. Als ich am Montag kurz in der Garderobe war, habe ich gemerkt, wie sehr es die Spieler beschäftigt. Sie haben sich sehr darauf gefreut, dieses Europa-League-Spiel vor Zuschauern austragen zu können. Bereits die Partie gegen Vaduz mit Publikum war für die Spieler ein Höhepunkt. Zuletzt haben sie natürlich gehofft, dass es in diese Richtung weitergeht, sie die Emotionen weiter mit den Zuschauern teilen können. Die Kehrtwende führt auch im Team zu vielen Fragen. Anderseits bleibt uns natürlich auch nicht verborgen, dass die Fallzahlen markant in die Höhe schnellen.

Fragen hätte YB gern auch von den lokalen Behörden beantwortet gehabt. In einem offenen Brief wendeten Sie sich gemeinsam mit dem SC Bern an die Kantonsregierung. Haben Sie schon Reaktionen darauf erhalten?
Es gab sehr viele positive Reaktionen, unsere Position wurde verstanden. Wir wollen nun aber nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen und suchen lieber den direkten Dialog als eine öffentliche Debatte. Wir bauen darauf, dass man sich beim Kanton bewusst ist, was die aktuelle Situation für uns bedeutet.

Das wäre?
Es sind für alle Menschen sehr schwierige Zeiten. Aber man sollte immer auch Mass bewahren und an die Konsequenzen für die Direktbeteiligten denken. Den Berner Profiklubs wurde vom einen Moment auf den anderen die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Betrachtet man die zurückliegende Transferperiode von aussen, entsteht nicht zwingend das Gefühl, dass bei allen Super-League-Klubs das Geld wegen Corona knapp ist. Befürchten Sie, dass sich dieser Eindruck in der Öffentlichkeit etabliert hat?
Die personellen Entscheide waren auch eine Frage der Perspektive. Die Klubs haben eine gewisse Öffnung in Aussicht gestellt bekommen und diese in ihre Planungen einfliessen lassen. Vom Worst-Case-Szenario auszugehen war kein gangbarer Weg, da man in diesem Fall kein konkurrenzfähiges Team mehr stellen könnte. Somit war es für alle Klubs eine Gratwanderung. Natürlich war es nicht der Sommer für die ganz grossen Investitionen. Aber selbst ein grosser Name bedeutet nicht zwingend, dass man über das Ziel hinausgeschossen hat.

Wie steht es um Ihre Zufriedenheit mit dem aktuellen YB-Kader?
Wir haben eine hohe Qualität im Kader. Aber letztlich kommt es nicht nur darauf an. Wir haben nach der Verletzung von Christopher Martins und der Operation von Michel Aebischer im Mittelfeld bereits einen kleinen Engpass. Aber auch hier gilt es, nicht zu jammern, sondern das Beste aus der Situation zu machen. Die Ausfälle hatten zur Folge, dass der 18-jährige Fabian Rieder aus dem eigenen Nachwuchs in Genf zu seiner Super-League-Premiere kam. Und er hat seine Aufgabe hervorragend gelöst.

Reicht die Qualität für einen Sieg gegen die Roma?
Die Römer sind der klare Gruppenfavorit. Sie haben grosse Klasse. Dennoch ist es für uns eines von sechs Spielen, das wir erfolgreich gestalten wollen. Wir spielen zuhause und wollen alles in die Waagschale werfen, um zu punkten. Dafür brauchen wir aber sicher eine Topleistung.

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