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Eine Erinnerung an ferne Zeiten, als noch Zuschauer erlaubt waren … Blick in die Postfinance-Arena in Bern.
Eine Erinnerung an ferne Zeiten, als noch Zuschauer erlaubt waren … Blick in die Postfinance-Arena in Bern.
Bild: KEYSTONE
Interview

Kult-watson-User Tikkanen: «Auch ich dachte zu lange ‹Äs chunnt de scho guet›»

03.03.2020, 09:42

Die Regular Season ist vorbei – und der Meister kann seinen Titel nicht mehr verteidigen. Nachdem der SC Bern die Playoffs verpasst hat, interessiert die watson-Eishockey-Community nicht nur die Analyse von Eismeister Zaugg. Sie stichelt auch leidenschaftlich gerne gegen watson-User Tikkanen, der sie die Saison über unterhält und selbst in grössten SCB-Krisen noch vom Titel fabuliert.

Wir haben uns mit ihm unterhalten und lassen seine Meinung und seine Namen für Spieler und Funktionäre ungefiltert stehen.

Tikkanen, unser herzliches Beileid. watson-User kennen dich als engagiert kommentierenden Fan des SC Bern. Wie hast du das Verpassen der Playoffs verkraftet?
Tikkanen: Naja, nach einem samstäglichen Skitag genehmigte sich üsereim ein feines Raclette mit MySports-Beilage. Nachdem deutlich wurde, dass Ambri Vickys Ponyhof so richtig erhudlet, stieg natürlich die Hoffnung auf einen Berner Sieg, zumal der SCB zeitweise sogar bissiges Housi-Hockey spielte. Aber es sollte nicht sein. Über die Playout-Enttäuschung half der zum Raclette genossene Walliser Syrah aber sehr. Spass beiseite, als langjähriger SCB-Fan kennt man solche Momente. Wer die truurigen Zeiten unter Jortikka, Fuhrer, Schwarz, Rautakallio, van Boxmeer oder Boucher erlebt hat, den erschüttert so leicht nichts.

Blick in die Postfinance-Arena: Irgendwo hier könnte Tikkanen sitzen.
Blick in die Postfinance-Arena: Irgendwo hier könnte Tikkanen sitzen.
Bild: KEYSTONE/watson

Wie gehst du damit um, dass du nach dem Verpassen der Playoffs von anderen Usern «angefräst» wurdest?
Ach herrje, nach meinen mittlerweile über tausend Kommentaren hier bin ich mir das gewohnt. Natürlich habe ich als langjähriger SCB-Fan eine leicht subjektive Sicht der Geschehnisse. Dass da nicht alle gleicher Meinung sind, macht es erst recht interessant. Allerdings staunte ich über die schier Inflationäre Verwendung des Worts «item» am letzten Wochenende. Aber okay, Bärndütsch ist halt auch ein schampar schöner Dialekt. 😊

Es ist nach Misserfolgen eine beliebte Frage: Woran lag es?
Nun, nebst den bekannten Gründen – wie dem Verlust von Genoni und Haas sowie dem aus heutiger Sicht geradezu unsinnigen Experiment mit den Lottergoalies – war auch Pech im Spiel. Zu Saisonbeginn war Scherwey in Ottawa, er fehlte vor allem auch in der Garderobe. Weiter hatten sich mit Bidu und Krüger zwei sehr erfahrene Verteidiger verletzt, die Defensive wurde trotz Jalonens Kontrollhockey instabil. Und ja, auch die System-Sturheit vom Käru trug zum Unglück bei, Spieler wie Inti oder Praplan hatten gar nie die Chance zur Entfaltung. Und zuletzt waren auch die Ausländer mit Ausnahme vom Arco schlecht. Für Ebbett war es die Saison zu viel, Mursak kam mit der Schablone immer weniger zurecht. So ging der Trend stotzig nach unten, viele (mich eingeschlossen) im und um den SCB dachten aber zu lange «äs chunnt de scho guet …»

Unter Kari Jalonen war der SCB lange erfolgreich – zu erfolgreich? Mit zu satten Spielern und einem System, das die Gegner durchschaut hatten?
Im Nachhinein ist man immer klüger, der letztjährige Meistertitel hat sicher ein wenig getäuscht. Damals stolperte der SCB mit Glück in den Halbfinal, dort konnten die Bieler im wichtigen Spiel 6 nur besiegt werden, weil das Team die Schablone beiseite legte und aufopferungsvoll kämpfte. Im Finale lief dann der Motor heiss, der Erfahrung und dem Biss unserer Häuptlinge wie Moser, Scherwey oder Bidu hatten die Zuger schlichtweg nicht entgegenzusetzen.

Heuer zeigte sich dann ein völlig anderes Bild, das Team geriet nie in den Flow und Kari konnte seine Sturheit nicht abschütteln. Schlussendlich kann Lüthi für den Rauswurf vom Jalonen nur der Vorwurf gemacht werden, dass er Kari bereits im Dezember in die Wüste hätte schicken müssen.

Was muss nun geschehen, damit der Schlittschuhclub Bern wieder zur gut geölten Hockey-Maschine wird?
Der wichtigste Schritt ist die Neubesetzung der Sportchef-Position. Der aufgrund seines nicht vorhandenen Netzwerks untaugliche Sportchef AC muss umgehend nach Saisonschluss ersetzt werden. Als Ersatz wäre ich extrem auf ein Experiment mit dem in Genf frustrierten McSorley gwunderig, Probleme mit untauglichen Ausländern würden der Vergangenheit angehören. Jedoch weiss ich nicht, ob der Chris sich dem Lüthi einigermassen unterordnen könnte.

Als Alternative sehe ich den beim Verband unterforderten Pascal Müller (er ist zwar ein Tigerli, aber nobody is perfect) oder aber man gibt Martin Plüss eine Chance. Beim Headcoach hoffe ich auf eine Weiterverpflichtung des «Dynamic Duo» Housi/Laser mittels Einjahresvertrag, schlussamänd wird dieser Posten im 2021 durch Cereda langfristig optimal besetzt werden …

Im Kader muss heuer der Lüthi die Sparbüchse aufmachen, wie früher mit den Verpflichtungen vom Dubé, Plüss oder Genoni braucht es ein starkes Zeichen. Hier denke ich zum Beispiel an den Langenthaler Sven Bärtschi. Auch bei den Ausländern muss der Ramschkauf gestoppt werden, hier braucht es sicher einen spielstarken Blueliner vom Schlage Tömmernes, und schon rollt die Hockeymaschine wieder!

Mal angenommen, die Playoffs können nach der Corona-Pause überhaupt stattfinden. Wer wird euer Nachfolger?
Ich gehe davon aus, dass die Saison beendet ist, was schliesslich auch nicht weiter schlimm wäre. Denn Playoffs ohne SCB wären doch völlig öde und langweilig. Sollten wider Erwarten dennoch Playoffs gespielt werden, dürfte sich der Pokal ausnahmsweise nach Hipsterville verirren. Das spannendste am Final wäre sicher, ob sich der Rauschebart Grönborg seine Gel-Frisur von einer Bierdusche verstrubbeln lässt.

Tikkanens Meistertipp: die ZSC Lions von Trainer Rikard Grönborg.
Tikkanens Meistertipp: die ZSC Lions von Trainer Rikard Grönborg.
Bild: KEYSTONE

Wie lange schaust du eigentlich schon Eishockey und beim SCB vorbei? Findet man dich dort auf der imposanten Stehrampe oder sitzt du lieber?
Uhh, üsereim besucht den Tempel in Europas Hockeyhauptstadt schon seit Ende der 80er-Jahre. Bis ca. Ende der 90er stand ich auf der Stehrampe, seitdem gönne ich mir einen Plastikhocker. Aber mehr will ich nicht verraten.

Item, hast du sonst noch etwas zu sagen? Vielleicht: «Noch 62 bis zum Pokal?»
Wirklich schade, dass ich heuer meine von vielen User geschätzte Titelcountdown-Signatur nicht verwenden kann, somit: Item, HOPP SCB!

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