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epa09103182 Switzerland's Dominic Stricker poses with the trophy after winning the final match against Ukraine's Vitaliy Sachko at the ATP Challenger tournament Lugano in Lugano, Switzerland, 28 March 2021.  EPA/Francesca Agosta

Kaum Profi, hat der 18-jährige Dominic Stricker bereits sein erstes Challenger-Turnier gewonnen. Bild: keystone

Interview

Dominic Stricker, sind Sie der nächste Roger Federer?



Dominic Stricker ist der neuste Stern am Schweizer Tennis-Himmel. Im vergangenen Herbst gewann der talentierte Grosshöchstettener das Junioren-Turnier bei den French Open. Ein Major-Triumph bei den Junioren feierten vor ihm nur vier Schweizer: Heinz Günthardt (French Open und Wimbledon 1976), Roger Federer (Wimbledon 1998), Roman Valent (Wimbledon 2001) und Stan Wawrinka (French Open 2003).

Ende März holte Stricker mit 18 Jahren und 7 Monaten dann bereits den ersten Titel bei den Profis, als er das Challenger-Turnier von Lugano für sich entschied. Und wieder befand er sich in bester Gesellschaft: Nach Federer und Wawrinka ist der 1,80 Meter grosse Berner der drittjüngste Schweizer, dem dieses Kunststück gelungen ist.

Solche Erfolge schüren natürlich die Erwartungen der Öffentlichkeit. Im Gespräch mit watson erklärt Stricker, wie er damit umgeht, warum er die Federer-Vergleiche nicht als Druck sieht und was seine Ziele sind.

Dominic Stricker, Sie sind kometenhaft in Ihr erstes Profi-Jahr gestartet. Nach dem French-Open-Titel bei den Junioren haben Sie Ende März in Lugano gleich Ihr erstes Challenger-Turnier gewonnen. Ich frage gleich mal provokativ: Sind Sie der nächste Roger Federer?
Dominic Stricker: Das ist gleich eine gute Frage zum Anfang. (lacht) Ich hoffe natürlich, dass ich es schaffen kann. Vielleicht erreiche ich nicht gleich das, was er erreicht hat. Das ist auch schlicht unglaublich. Aber ich werde alles dafür geben, dass ich Grand Slams spielen kann und hoffentlich auch einmal eines gewinnen kann.

Nun ganz ohne Polemik: Wie erklären Sie sich, dass es auf Anhieb gleich so gut läuft?
Angefangen hat alles mit dem Lockdown im letzten Jahr. In dieser Zeit habe ich extrem hart an mir gearbeitet. Danach kam das French Open in Paris, wo ich schon sehr gut spielte. Dann ging das immer so weiter. Zuletzt in Lugano ging alles auf und ich konnte das Turnier zum Glück gewinnen.

Sie haben mit dem Japaner Yuichi Sugita im Halbfinal die ehemalige Weltnummer 36 geschlagen. Wie war das für Sie?
Das war ein Hammer-Match! Er spielte sehr, sehr gut, aber ich habe auch eines meiner besten Spiele abgeliefert. Am Ende gewann ich knapp im dritten Satz, was natürlich ein schöner Erfolg war. Aber die ganze Woche war der Hammer.

Wo sehen Sie auf dem Tennisplatz Ihre grossen Stärken? Wo müssen Sie sich noch dringend verbessern?
Ich habe in der letzten Zeit intensiv an meinem Aufschlag gearbeitet. Dieser hat mir zuletzt sicher sehr geholfen, auch in Lugano. Verbessern kann ich mich fast in allen Bereichen, deshalb werde ich weiterhin hart an mir arbeiten, um generell noch besser zu werden.

Sie sind Linkshänder, was im Tennis als Vorteil gilt. Schauen Sie sich bei anderen Linkshändern auch mal etwas ab? Bei Rafael Nadal zum Beispiel?
Es ist sicher ein Vorteil, dass ich Linkshänder bin, denn es gibt viel mehr Rechtshänder, die Tennis spielen. Der Ball kommt mit einem anderen Drall beim Gegner an. Ich schaue mir schon viele Matches von Nadal an und beobachte, wie er die Punkte aufbaut. Da gibt es sicher auch Spielzüge, die man sich abschauen kann.

Sie haben im Januar mit Roger Federer in Dubai trainiert. Wie war das?
Das war ein riesiges Erlebnis. Mit ihm drei Wochen verbringen und trainieren zu können, war unglaublich und etwas, das ich sicher nie mehr vergessen werde.

Haben Sie auch privat etwas unternommen? Oder trifft man sich mit dem «Maestro» einfach auf dem Tennisplatz und geht dann wieder getrennte Wege?
Meistens haben wir einfach gemeinsam trainiert und vorher oder nachher noch ein bisschen zusammen geredet. Zusammen essen waren wir nie, aber einmal haben wir miteinander einen Ausflug in die Wüste gemacht.

Wie können Sie vom Training mit Federer profitieren? Was schauen Sie sich von ihm ab?
Natürlich kann man sich sehr viel von ihm abschauen. Er ist das perfekte Vorbild. Dabei geht es nicht immer ums Spiel an sich. Man schaut auch, wie er sich vor und nach dem Training oder zwischen den Ballwechseln verhält.

Sie waren bei den ATP-Finals 2020 in London auf Einladung der ATP als Trainingspartner für die Top-8 der Welt vor Ort. Was haben Sie von da mitgenommen? Wer hat Sie am meisten beeindruckt?
Ich konnte mit allen mal spielen, ausser mit Nadal und mit Djokovic. Spannend war vor allem zu sehen, wie die Topstars trainieren und ob sie ähnlich trainieren wie Roger. Riesige Unterschiede gab es zwar nicht, aber es war definitiv eine coole Erfahrung.

Nochmals kurz zurück zu Federer: Je besser Sie werden, desto öfter werden Sie mit ihm verglichen. Wie gehen Sie mit diesem Druck um, der da von aussen an Sie herangetragen wird?
Ich sehe das als etwas Positives. Denn viele träumen davon, mit ihm verglichen zu werden. Für mich sind die Vergleiche deshalb kein Druck, sondern sie geben mir noch mehr Motivation, mich weiterzuentwickeln und weiter hart an mir zu arbeiten.

Sie sind nach dem Turniersieg in Lugano bereits die Nummer 425 der Welt. Was sind Ihre kurzfristigen und langfristigen Ziele?
In nächster Zeit geht es sicher darum, mich im Ranking weiter zu verbessern. Eine konkrete Platzierung habe ich mir für dieses Jahr aber nicht als Ziel gesteckt. Ich werde versuchen, weitere Challenger-Turniere zu spielen und wenn möglich bei einem ATP-Turnier eine Wildcard zu ergattern. Mit Genf, Gstaad und Basel gibt es ja gleich drei Turniere in der Schweiz.

Gibt es bezüglich Wildcards schon Gespräche mit den Schweizer Turnier-Veranstaltern?
Wir sind sicher in Kontakt, aber im Moment hängt alles noch etwas in der Schwebe. Zu vieles ist momentan halt noch unklar.

Mit Leandro Riedi drängt ein guter Kollege von Ihnen ebenfalls nach oben. Heinz Günthardt schätzt Sie beide etwa gleich stark ein, im French-Open-Final haben Sie gewonnen. Hilft es, dass ein Kollege denselben Weg geht? Wie können Sie voneinander profitieren?
Klar können wir voneinander profitieren. Wir trainieren sehr oft zusammen und pushen uns gegenseitig extrem. Das macht natürlich Spass. Wir sind wirklich fast gleich stark – einmal gewinnt er, dann gewinne ich wieder.

Switzerland's Dominic Stephan Stricker, right, is congratulated by Switzerland's Leandro Riedi after Stricker won the junior men's final match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, France, Saturday, Oct. 10, 2020. (AP Photo/Alessandra Tarantino)

Riedi gratuliert Stricker zum Sieg im French-Open-Final der Junioren. Bild: keystone

Sind Sie in erster Linie Freunde oder Konkurrenten?
Neben dem Platz sind wir natürlich gute Freunde, aber auf dem Platz ist die Rivalität da. Danach ist aber alles wieder gut und wir gönnen uns auch gegenseitig die Erfolge.

Man hört immer wieder, dass Tennis-Spieler ausserhalb der Top 100 finanziell drauflegen müssen. Sie haben aber bereits mehrere Sponsoren an Bord. Verdienen Sie mit Tennis schon Geld oder müssen Ihre Eltern Sie noch unterstützen?
Auf meinem Level verdient man leider noch nicht wirklich viel Geld, eigentlich fast gar nichts. Darum ist die Unterstützung der Eltern, der Sponsoren und von Swiss Tennis extrem wichtig für mich. Bei den Junioren gab es beispielsweise gar keine Preisgelder, bei den Challenger-Turnieren sind sie nicht sehr hoch. Deshalb sind Sponsoren-Beiträge derzeit meine Haupteinnahmequelle.

Sie haben früh auf die Karte Tennis gesetzt, schon mit 8 Jahren trainierten Sie dreimal in der Woche, mit 11 fünfmal. Jetzt sind Sie oft unterwegs. Bleibt da genügend Zeit für Kollegen?
Es ist schon schwierig. Mittlerweile sind die meisten meiner Freunde aber wie ich Tennis-Spieler und da kommt es eigentlich gar nicht gross in Frage, in den Ausgang zu gehen. Aber wir unternehmen auch abseits des Tennis viel miteinander und geniessen die gemeinsame Freizeit dann so gut wie möglich.

Auf Ihrer Homepage und auf Social Media sieht man Sie beim Golfen, Fischen oder auch mal an einem Fussball- oder Hockey-Match. Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Im Moment spiele ich am liebsten Golf. Seit gut zwei Jahren ist das ein perfekter Ausgleich zum Tennis. Im Winter schaue ich auch gerne Sport, zum Beispiel Eishockey und Fussball.

Und für wen schlägt Ihr Herz?
Für den SC Bern und für YB.

Sie sind mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen und wohnen seither im nationalen Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel. War es für Sie schwierig, das Elternhaus so früh zu verlassen?
Am Anfang war es schon ein grosser Schritt. Ich hatte auch ziemlich Heimweh. Aber es war nicht nur für mich, sondern auch für meine Eltern schwierig, dass ich so früh so gut wie ausgezogen bin. Mittlerweile ist es aber normal, dass wir uns zwei, drei Wochen überhaupt nicht sehen, wenn ich an einem Turnier bin. Dafür geniesse ich dann die Zeit viel mehr, wenn ich zu Hause bin.

Die Corona-Pandemie hält auch die Tennis-Welt in Atem, Reisen sind nur noch eingeschränkt möglich. Werden Sie dadurch in Ihrer Entwicklung gehemmt oder ist das alles kein Problem?
Momentan werden schon viele Turniere abgesagt, aber es gibt zum Glück immer noch welche, die stattfinden. Da suche ich mir dann diejenigen für mich raus, die gerade passen. Mit dem Reisen ist es wirklich nicht gerade einfach, aber irgendwie geht es immer. Mein Turnierplan wird nicht gross durcheinander gewirbelt.

Wie geht es in den nächsten Wochen und Monaten weiter? Welche Turniere werden Sie bestreiten?
Die nächsten drei Wochen werde ich im nationalen Leistungszentrum in Biel sein, um mich auf die Sandsaison vorzubereiten. Danach werde ich wieder Turniere bestreiten und versuchen, mich weiter zu verbessern. Welche das sind, ist momentan allerdings noch unklar, weil man nur sehr kurzfristig planen kann.

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quelle: epa / ian langsdon
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