Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Hier entstehen die Statistiken: ein Arbeitsplatz im Data-Center der SFL in Volketswil. (Super League)Henry Muchenberger

Hier entstehen die Statistiken: ein Arbeitsplatz im Data-Center der SFL in Volketswil. bild: Henry Muchenberger

«Middle-High Schaub, Quick Schürpf, Shot, Score» – wie die SFL ihre Statistiken erfasst

Wie werden die ganzen Statistiken im Schweizer Fussball erfasst? Ein CH-Media-Autor ist am Matchtag im Auftrag der Swiss Football League dafür zuständig und zeigt auf, was mit Daten im Fussball alles möglich ist.

david umiker / ch media



«Tor Luzern!», schreit einer. Sofort renne ich zu seinem Bildschirm. Lausannes Keeper Diaw spielte einen miserablen Pass direkt in die Füsse von Luzerns Schaub, dieser weiter zu Schürpf und der trifft von der Strafraumgrenze aus. «Fehler vor Gegentor Diaw, Assist Schaub, Tor Schürpf mit links im Sechzehner», sage ich.

Im Data-Center in Volketswil, wo im Raum nebenan der VAR stationiert ist, herrscht seit Anpfiff dreier Super-League-Partien höchste Konzentration. Zusammen mit mehreren Kollegen erfasse ich hier nebenberuflich die Live-Statistik für die Swiss Football League (SFL), das heisst für die Super- und Challenge-League. Alle Spielereignisse werden live in ein System eingetippt, aus dem gewisse Ereignisse direkt in den Liveticker der SFL oder zum Beispiel zum Teletext fliessen.

Bild

Die erfassten Daten sind direkt im Matchcenter der Swiss Football League auf sfl.ch abrufbar. bild: zvg

Jede Aktion auf dem Feld wird festgehalten

Die Statistik-Erfassung ist ein aufwendiger Prozess. Eine entscheidende Rolle dabei nimmt der sogenannte Speaker ein. Er befindet sich im Stadion und kommentiert das Spielgeschehen. Anders als ein normaler Kommentator verwendet er dafür aber eine spezielle Syntax. Schürpfs Treffer, ausgegangen vom Lausanne Keeper, sprach er so: «Diaw, Middle-High Schaub, Quick Schürpf, Shot, Score, Schürpf.»

Der Speaker spricht ausnahmslos jede Aktion auf dem Feld. Präzise: jeden Ballkontakt, Pass oder Schuss, auch sämtliche Regelverstösse, Karten und Wechsel – ziemlich anstrengend über 90 Minuten hinweg. Das Ganze in Englisch, um es für die Deutschschweiz, das Tessin und die Romandie einheitlich und einfach zu gestalten.

Hier entstehen die Statistiken: ein Arbeitsplatz im Data-Center der SFL in Volketswil. (Super League)

Die Writer haben während der Partie sowohl ihren Touchscreen als auch das Spiel fest im Blick. bild: Henry Muchenberger

Damit das Gesagte des Speakers auch in das System fliesst, braucht es den Writer. Er ist mit dem Speaker über Kopfhörer verbunden und verfolgt das Spiel in Volketswil. Vor sich hat er einen Touchscreen mit Feldern aller englischer Begriffe, die der Speaker verwendet. Der Writer tippt genau das ein, was der Speaker ihm sagt und unterstützt ihn bei Unsicherheiten. Denn nur wenn die Wortfolge richtig eingetippt wird, erstellt das System automatisch ein Ereignis, das in die Statistik einfliesst und gleichzeitig im Liveticker der SFL einen Eintrag generiert. Zum Beispiel das Tor durch Schürpf.

Zur Kontrolle des Ganzen arbeiten im selben Raum zwei weitere Personen, wir nennen sie die Live-Observer. Der eine konzentriert sich auf alle Spielaktionen mit dem Ball, der andere überprüft alle Zweikämpfe und Fouls. Die Live-Observer können das laufende Kameravideo vor- und zurückspulen. Ihr Auftrag ist es, falsch erfasste Ereignisse zu korrigieren und fehlende neu anzulegen. Zudem ergänzen sie die einzelnen Aktionen mit diversen Attributen, zum Beispiel, dass Diaw das Gegentor mit seinem haarsträubenden Fehlpass verursacht hat.

Hier entstehen die Statistiken: ein Arbeitsplatz im Data-Center der SFL in Volketswil. (Super League)

Die Live-Observer arbeiten eine Bildschirmreihe hinter den Writern, um eine gegenseitige Kommunikation sicherzustellen. Ist sich der Writer eines Fehlers bewusst, kann er dies den Live-Observern sofort mitteilen. bild: Henry Muchenberger

Zu guter Letzt wäre da noch mein Part. Ich bin als Supervisor tätig und habe die Aufsicht über alle Partien an einem Spieltag. Bei drei oder mehr zeitgleichen Partien sind jeweils zwei Supervisoren im Einsatz. Unsere Aufgabe beginnt bereits 90 Minuten vor Spielbeginn. Da bereiten wir alle Arbeitsplätze sowie die Technik vor und geben die Aufstellungen der Teams ins System ein. Während der Partie kontrollieren wir alle wichtigen Aktionen wie Tore oder Karten und machen weitere Stichproben. Dazu ist der Supervisor die entscheidende Instanz bei unklaren Spielsituationen.

Hier entstehen die Statistiken: ein Arbeitsplatz im Data-Center der SFL in Volketswil. (Super League)

Die Supvervisoren tauschen sich oft untereinander aus und klären unklare Situationen gemeinsam. bild: henry muchenberger

Aus Daten werden konkrete Erkenntnisse

Die SFL arbeitet erst seit 2020 mit diesem System. Davor wurde die Statistik noch von zwei Personen live im Stadion erfasst. Heute sind mit dem Speaker, dem Writer und den Live-Observern vier Leute pro Spiel tätig. Hinzu kommen die Supervisoren.

Ein Grund für die Systemumstellung war das Ziel, die Datentiefe zu erweitern. Denn mehr Personen bedeuten auch mehr Daten. Zwar wurden schon früher nicht nur nackte Zahlen erhoben. Es wurde etwa ergänzt, wenn ein Tor nach einem Corner gefallen ist. Allerdings waren einerseits die Ereignisse und andererseits diese Spezifizierungen begrenzt. Zweikämpfe, Zuspiele und Ballkontakte wurden nicht berücksichtigt. Das ist mit dem neuen System anders. Jeder Pass und Schuss, jeder Ballkontakt und Zweikampf sowie jedes Dribbling und Foulspiel wird jetzt festgehalten und dazu spezifisch charakterisiert. Mehr Daten als je zuvor im Schweizer Fussball.

Hier entstehen die Statistiken: ein Arbeitsplatz im Data-Center der SFL in Volketswil. (Super League)

Ein Blick auf die Spezifizierungen bei dem Tor durch Schürpf. In der zweiten Spalte von rechts ist etwa der «Fehler vor Gegentor» von Diaw eingetragen. bild: henry muchenberger

Dadurch können aus nackten Zahlen aufschlussreiche Erkenntnisse gewonnen werden. Beispielsweise wird bei jedem Zuspiel die Passdistanz präzisiert. Nimmt man nun einen Innenverteidiger, der eine hohe Passgenauigkeit von langen Pässen (über 30 Meter) aufweist, kann man ihm wohl anhand blosser Daten eine starke Spielauslösung zusprechen.

Ein zweites Beispiel: Bei jedem Torschuss wird neu unter anderem ergänzt, ob es eine Grosschance war, sprich der Schütze aus gutem Winkel, kurzer Distanz und mit freier Schussbahn abdrücken konnte. Daraus liesse sich ableiten, welches Team die meisten Grosschancen herausspielt oder etwa, welcher Stürmer am meisten Grosschancen versiebt.

abspielen

Die Highlights der Partie. Video: YouTube/Swiss Super League

Gerade für die Spieler, Trainer und Scouts, aber auch die Medien und die Fans kann das interessant sein. Doch die Statistik deckt nicht nur vorteilhafte Aktionen auf. Lausannes Keeper Mory Diaw wird jedenfalls kaum Freude an der Statistik «Fehler vor Gegentor» haben.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Die Prognosen vor der Rückrunde: Dzemaili reisst den FCZ mit, Sforza muss gehen

Am Wochenende nimmt die Super League wieder so richtig Fahrt auf. Wer wird Meister? Wer stürzt ab? Welche Trainer sind gefährdet? Lesen Sie unsere Prognosen zur zweiten Phase der Schweizer Fussball Meisterschaft.

Manchmal täuscht der erste Eindruck. Eine spannende Schweizer Meisterschaft? So sah es zwar in den ersten Wochen aus. Doch das lag nur daran, weil YB noch nicht rund lief. Überlegene Spiele wurden doch noch vergeigt, die Chancenauswertung war lange miserabel. Und Top-Torjäger Nsame plötzlich ausser Form.

Das wird sich nun ändern. Und YB mit jeder Woche stärker. Denn noch immer können viele Spieler in der Mannschaft einiges besser machen. Worauf darf die Konkurrenz also noch hoffen? Dass Nsame …

Artikel lesen
Link zum Artikel