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epa08659232 Swiss rider Marc Hirschi of Team Sunweb wins the 12th stage of the Tour de France cycling race over 218km from Chauvigny to Sarran, France, 10 September 2020.  EPA/Stuart Franklin / Pool

Die Schweiz hat einen neuen Velo-Liebling: Marc Hirschi. Bild: keystone

«Die WM-Strecke liegt mir sehr» – Hirschi träumt nach Tour vom nächsten Coup

Nach der Tour de France ist vor der WM. Die im Wallis abgesagten Titelkämpfe finden in dieser Woche im italienischen Imola statt. Dank dem formstarken Marc Hirschi stellt im Strassenrennen auch die Schweiz einen Favoriten.



Es geht Schlag auf Schlag. Immer noch ist die Radsport-Welt fasziniert von Tadej Pogacar, der am zweitletzten Tag der Tour de France für einen Umsturz im Gesamtklassement sorgte und einen Tag vor seinem 22. Geburtstag als Gewinner der Rundfahrt gefeiert wurde. Und dennoch wird in dieser rastlosen Nach-Lockout-Zeit bereits auch auf die Weltmeisterschaften geblickt, die in wenigen Tagen ausgetragen werden. Nicht in Aigle und in Martigny wie vorgesehen, die Corona-Pandemie machte den Westschweizer Organisatoren einen Strich durch die Rechnung.

Statt an eine Heim-WM geht es für das Schweizer Team in die Emilia-Romagna nach Imola. Dort wird am Sonntag der Nachfolger des Dänen Mads Pedersen gesucht. In den Kampf um das begehrte Regenbogentrikot möchte auch die Schweizer Equipe eingreifen. Ihr Kapitän wird ein ebenfalls erst 22-jähriger Rennfahrer sein, der an der Tour de France für Furore gesorgt hat: Marc Hirschi.

Most combative rider of the Tour de France, Marc Hirschi of Switzerland, celebrates on the podium celebrates on the podium after the twenty-first and last stage of the Tour de France cycling race over 122 kilometers (75.8 miles), from Mantes-la-Jolie to Paris, France, Sunday, Sept. 20, 2020. (AP Photo/Christophe Ena)

Hirschi war eine der prägenden Figuren der Rundfahrt. Bild: keystone

Auch Pogacar am Start

In Imola, wo die Formel 1 zwischen 1980 und 2006 Grands Prix austrug, wartet am Sonntag ein beinharter Rundkurs auf die Fahrer. Mit 258,2 Kilometern und 5000 Höhenmetern wird das WM-Rennen zu einem Überlebenskampf. Neun Runden mit jeweils zwei Anstiegen müssen die Profis absolvieren.

Das Profil des Männer-Rennens sieht harmlos aus, hat es aber in sich.

Zufallssieger gibt es bei den Weltmeisterschaften selten. Entsprechend hat sich Tour-Sieger Tadej Pogacar bereits in Stellung gebracht. «Ich muss die Strecke noch auskundschaften, aber ich erwarte ein langes, anspruchsvolles Rennen – genau ein solches, wie ich sie mag», sagte er vor der letzten Woche der Tour de France.

Slovenia's Primoz Roglic, left, who lost his overall leader's yellow jersey to Slovenia's Tadej Pogacar, right, gets a hug during the twenty-first and last stage of the Tour de France cycling race over 122 kilometers (75.8 miles), from Mantes-La-Jolie to Paris, France, Sunday, Sept. 20, 2020. Right is Sam Bennett of Ireland, wearing the best sprinter's green jersey. (AP Photo/Christophe Ena)

Im WM-Rennen werden Tadej Pogacar (rechts) und der Tour-Zweite Primoz Roglic gemeinsame Sache machen. Bild: keystone

Ein ganz heisser Kandidat ist auch Vincenzo Nibali. Der 35-jährige Italiener, der alle drei grossen Landesrundfahrten gewonnen hat, möchte seiner Karriere in der Heimat die Krone aufsetzen. Nibali ist die Strecke bereits abgefahren. «Sie ist schwierig und selektiv», sagte der «Hai von Messina», besonders die beiden kurzen Anstiege seien sehr hart.

epa08641230 (FILE) - The overall leader, Spanish rider Alberto Contador (R) of the Tinkoff-Saxo team in action at the Enzo and Dino Ferrari racetrack during the 11th stage of the 98th Giro d'Italia cycling tour over 153km from Forli to Imola, Italy, 20 May 2015 (re-issued on 02 September 2020). The 2020 Road Cycling World Championships will be held in Imola in Italy after being moved from Aigle-Martigny, Switzerland, the International Cycling Union (UCI) confirmed on 02 September 2020. The championships will take place from 24 until 27 September 2020. EPA/CLAUDIO PERI *** Local Caption *** 51948632

Auch der Giro d'Italia machte schon einen Abstecher ins Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola. Bild: EPA ANSA

Klassiker-Spezialisten im Fokus

Die Liste der Siegesanwärter ist lang. Die Belgier schicken Wout van Aert und Olympiasieger Greg van Avermaet ins Rennen, Spanien und Kolumbien hat eine Armada guter Bergfahrer nominiert, die Franzosen haben Julian Alaphilippe und die Dänen hoffen, den Titel mit Jakob Fuglsang verteidigen zu können.

Der Leader der sechsköpfigen Schweizer Auswahl heisst Marc Hirschi. Er wird mit grossem Selbstvertrauen nach Imola reisen. Schliesslich durfte der Berner gestern in Paris bei der Siegerehrung der Tour de France auf dem Podest stehen: Er wurde als kämpferischster Fahrer der Rundfahrt ausgezeichnet.

«Das bedeutet mir sehr viel», hielt der 22-Jährige fest. Eigentlich war er nur zum Lernen nach Frankreich gereist, das Ziel war es, in Fluchtgruppen Unterschlupf zu finden. Das schaffte Hirschi – und wie. Zunächst wurde er Zweiter, dann nach langer Soloflucht Dritter und im dritten Anlauf schliesslich doch noch Etappensieger. Sein erster Sieg bei den Profis war gleich ein eindrücklich errungener im wichtigsten Rennen der Welt.

Hirschi: «WM-Strecke liegt mir sehr»

Für Hirschi geht es nun in den kommenden Tagen darum, sich einerseits von den Tour-Strapazen zu erholen und andererseits, die Topform konservieren zu können. «Die WM-Strecke liegt mir sehr», betonte er, als das Aufgebot vergangene Woche bekanntgegeben wurde. Hirschi wird von fünf erfahrenen Rennfahrern unterstützt: Michael Albasini (39), Michael Schär (33), Enrico Gasparotto (38), Simon Pellaud (27) und Silvan Dillier (30).

epa08634201 Swiss rider Michael Schaer of the CCC Team celebrates on the podium after being announced the most combative rider following the first stage of the Tour de France over 156km in Nice, France, 29 August 2020.  EPA/Christophe Petit-Tesson / Pool

Auch Michael Schär kommt aus der Tour de France, wo er sich regelmässig angriffig zeigte und in einer Etappe als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet wurde. Bild: keystone

Letzterer könnte der Schweizer «Joker» sein, wenn Trumpf Hirschi nicht sticht. Doch in erster Linie gilt: Alle für einen, alle für Marc Hirschi. Laut Nationaltrainer Marcello Albasini, der seinen jungen Star als einen der fünf besten Fahrer im Starterfeld bezeichnet, haben die anderen Teammitglieder versichert, sich voll in Hirschis Dienste zu stellen.

Die Last, Leader zu sein, kann einen Fahrer erdrücken. Hinzu kommt die Tatsache, dass niemand in Imola Marc Hirschi unterschätzen wird. Im Gegenteil: Die Gegner werden ganz genau hinschauen, was der junge Berner macht. Und dennoch ist ein Jahr nach Stefan Küngs Gewinn der Bronzemedaille in Yorkshire ein erneuter Medaillengewinn für das Schweizer Team ein realistisches Ziel. Ob es gar so endet wie 1998 in Valkenburg? Damals wurde Oscar Camenzind als dritter und bis heute letzter Schweizer Strassenweltmeister.

Hoffnungen auch im Zeitfahren

Zeitfahr-Europameister Stefan Küng ist frühzeitig aus der Tour de France ausgestiegen, um vor dem WM-Zeitfahren mehr Erholungszeit zu haben. Der Ostschweizer ist ein Kandidat für eine Medaille – einer von vielen auf dem flachen Parcours mit bloss 200 Höhenmetern auf 31,7 Kilometern. Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen auf der Bernerin Marlen Reusser, die an der EM im Zeitfahren Bronze gewann.

Das WM-Programm

Donnerstag: Zeitfahren Frauen
31,7 km, letzte Zielankunft ca. 16.35 Uhr

Freitag:
Zeitfahren Männer
31,7 km, letzte Zielankunft ca. 16.35 Uhr

Samstag:
Strassenrennen Frauen
143 km, Zielankunft ca. 16.45 Uhr

Sonntag:
Strassenrennen Männer
258,2 km, Zielankunft ca. 16.45 Uhr

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