Syrien
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One of the defendants, Eyad A. (43), is sitting on the bench of the Higher Regional Court behind Corona protective screens, hiding his face under a hood in Koblenz, Germany, Thursday, April 23, 2020. Two former members of Syria's secret police go on trial Thursday in Germany accused of crimes against humanity for their role in a government-run detention center where large numbers of opposition protesters were tortured.(Thomas Frey/dpa via AP)

Wegen Behilfe zum Mord in Karlsruhe vor Gericht: Assad-Getreuer Eyad A. (43). Bild: AP

Erzwungene Abtreibungen und andere Gräueltaten: Syrische Folteropfer zeigen Assad an



Bei der deutschen Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe ist eine Anzeige sieben ehemaliger syrischer Häftlinge eingegangen. Sie werfen insgesamt neun Männern aus dem Machtapparat von Machthaber Baschar al-Assad brutale Foltermethoden vor. Es geht konkret um Vergewaltigungen, Elektroschocks auf Genitalien, erzwungene Nacktheit und erzwungene Abtreibungen.

Alle Beschuldigten entstammen dem Dunstkreis der syrischen Regierung und des besonders für seine entgrenzte Gewalt im Umgang mit Häftlingen berüchtigten Luftwaffengeheimdienst. Unter ihnen ist dessen ehemaliger Leiter Jamil Hassan. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Zeitraum zu Beginn des bewaffneten Konflikts im Land von April 2011 bis Oktober 2013. Eingereicht wurde die Anzeige stellvertretend unter anderem von der Berliner Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). Sie lässt verlauten:

«Die deutsche Justiz muss sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt durch die Geheimdienste in Syrien endlich als das verfolgen, was sie ist: ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.»

NGO ecchr

Bereits seit rund zwei Monaten ermittelt die deutsche Bundesanwaltschaft in einem weltweit bislang einzigartigen Prozess gegen mutmassliche Folterknechte des syrischen Regimes. 2018 erliess sie einen Haftbefehl gegen Jamil Hassan. Unter seiner Führung sollen hunderte Menschen in Haft verprügelt, gefoltert, vergewaltigt und ermordet worden sein.

58-facher Mord und Folter

Der laufende Prozess richtet sich gegen zwei ehemalige Geheimdienstler, die von syrischen Flüchtlingen in Deutschland erkannt und demaskiert worden waren, und denen in einem Falle 58-facher Mord und Folter und im anderen Falle Behilfe zum Mord zur Last gelegt wird.

Die Ermittlungen der deutschen Justiz gegen syrische Regime-Angehörige fussen auf dem Weltrechtsprinzip. Es besagt, dass insbesondere bei vermuteten Verstössen gegen das Völkerrecht, also bei Strafttaten, die als Kriegsverbrechen eingestuft werden, das geltende nationale Strafrecht auch zur Geltung kommt, wenn die Straftaten auf einem anderen Staatsgebiet erfolgt sind.

230236_Sadnaya - Syria detentions 	

Sadnaya - Syria detentions - Collaboration with Forensic Architecture.

Illustrations taken from the Forensic Architecture Platform.

Saydnaya Military Prison is located 30km north of Damascus, Syria. The prison is under the jurisdiction of the Minister of Defence and operated by the Military Police. Saydnaya became notorious for the use of torture and excessive force following a riot by detainees in 2008. There are two buildings on the Saydnaya site, which between them could contain 10,000-20,000 prisoners.

In April 2016, Amnesty International and Forensic Architecture travelled to Turkey to meet a group of survivors from Saydnaya prison. Since 2011, journalists and other monitoring groups have been unable to visit the prison and speak with prisoners from Saydnaya, so this was an opportunity to tell their stories.

As there are no images of Saydnaya, we were dependent on the memories of survivors to recreate what happened inside. Using architectural and acoustic modelling, we helped witnesses reconstruct the architecture of the prison and their experiences of detention.

The interview techniques were developed by Forensic Architecture at Goldsmiths, University of London, in consultation with the university’s Forensic Psychology Unit.

Das Gefängnis von Sednaya: einer der zentralen Schauplätze der Folter in Syrien.

(tat)

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