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Die Folgen der Khan-Affäre: Bei der Credit Suisse gibt es keine Gewinner

Der dilettantische Bespitzelungsversuch des Topmanagers Iqbal Khan wird für die Credit Suisse zur Zäsur.

Daniel Zulauf / ch media



ARCHIVBILD ZUR BEKANNTGABE DES SALAERS 2016 VON CREDIT SUISSE CEO TIDJANE THIAM, AM FREITAG, 24. MAERZ 2017 - Tidjane Thiam, CEO du Credit Suisse Group, parle lors de la douzieme edition du Forum des 100, organise par l'Hebdo ce jeudi 19 mai 2016 sur le site de l'Universite, UNIL, a Lausanne. Comme chaque annee, Le Forum des 100 ouvre le debat sur des questions essentielles a la prosperite et au dynamisme de la Suisse romande avec de prestigieux orateurs. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Hätte Tidjane Thiam von der Bespitzelung seines Mitarbeiters wissen müssen? Bild: KEYSTONE

Die interne Untersuchung zum Hergang und zu den Verantwortlichkeiten der Khan-Affäre hätte Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam eigentlich den Rücken stärken sollen. Doch die Zweifel sind geblieben.

Zwar berichtete die mit der Untersuchung betraute Zürcher Anwaltskanzlei Homburger am Dienstag, es seien keine Hinweise gefunden worden, dass Thiam die Überwachung Khans genehmigt oder von dieser Kenntnis gehabt hätte. Aber selbst wenn man diesen Befund für bare Münze nimmt, kann er dem Chef zur Last gelegt werden.

Der Leiter der Internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse, Iqbal Khan, tritt per sofort ab.

Topmanager Iqbal Khan.

Dass dies tatsächlich geschieht, zeigen die Kommentare fast aller Beobachter im In- und Ausland, die den bizarren Fall in den vergangenen Tagen verfolgt haben. Man darf behaupten, dass Thiam von der Bespitzelung seines Mitarbeiters hätte wissen müssen. Schliesslich handelte es sich bei diesem um den einstigen Vorzeigemann im Team des CEO und um dessen Zögling.

«Das kommt nur heraus, wenn es schiefläuft»

Verwaltungsratspräsident Urs Rohner spielte das Argument am Mittwoch in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» nicht wirklich überzeugend herunter: «Ein Unternehmen unserer Grösse kann die besten Prozesse haben, aber es wird nie davor gefeit sein, dass eine kleine Gruppe von Personen ohne das Wissen der Chefs handelt. Das kommt nur heraus, wenn es schiefläuft.»

Urs Rohner, president of the board of Credit Suisse, speaks during a press conference of the Observation of Iqbal Khan in Zuerich, Switzerland, Tuesday, Oct. 1, 2019. (Ennio Leanza/Keystone via AP)

Urs Rohner. Bild: AP

Eine ähnliche Erklärung brachte Thiam schon im März 2016 vor, als er seinen Aktionären eingestehen musste, nichts von den selbstherrlichen Aktionen seiner Wall-Street-Trader gewusst zu haben, die der Bank Verluste im hohen dreistelligen Millionenbereich einbrockten. Thiam war zu diesem Zeitpunkt aber noch kein Jahr im Amt und die Bank mitten in einem Grossumbau. Die Investoren sahen es ihm nach. Diesmal wird ihnen das Verzeihen schwerer fallen. Das angeknackste Investoren-Vertrauen ist ein wesentlicher Teil des «Rufschadens», den Rohner beklagt.

Für den CEO geht es aber auch um die Glaubwürdigkeit innerhalb des Unternehmens. Ohne sie kann dieser keine schwierigen Entscheidungen durchsetzen, denn dazu benötigt er das Vertrauen seiner Mitarbeiter. In einer Grossbank wie der Credit Suisse hat die Stärke des CEO eine besonders hohe Bedeutung. In dem Unternehmen wirken starke zentrifugale Kräfte zwischen den Investment-, Private- und Retail-Bankern, die sich ständig um die Zuteilung der Ressourcen streiten. Es geht um Personal, um Investitionsmittel und um Risikokapital. Nur ein starker CEO kann verhindern, dass nicht der Eigennutz der Divisionsleiter, sondern die Strategie der Gesamtbank zum Nutzen ihrer Aktionäre gewinnt.

Wie steht es um den Nachfolgeplan?

Genau darauf gründete Thiams grösste Leistung bei der Neuausrichtung der Bank. Nun soll er diese Aufgabe in seiner angeschlagenen Verfassung auch noch allein bewältigen, nachdem sein engster Vertrauter im Management, Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouée, über die Klinge springen musste. Zwar sagte Rohner dem «Tages-Anzeiger» auf die Frage, wie lange Thiam noch am Ruder bleibe: «Aus meiner Sicht noch lange.»

Im gleichen Atemzug fügte Rohner an: «Das Wichtigste ist, dass der Verwaltungsrat für jede Position in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat selbst einen Nachfolgeplan hat. Den haben wir. Das Zweitwichtigste ist, über diese Pläne nicht zu sprechen.» Ob mit Absicht oder nicht spricht Rohner sein eigenes Dilemma an, das mit der Khan-Affäre sichtbar wird – wer überhaupt in Thiams Fusstapfen treten könnte. Die Schweizer Grossbanken üben auf talentierte Manager längst nicht mehr die gleiche Anziehungskraft aus wie noch vor einigen Jahren. Die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche sind nicht rosig und die politischen Rahmenbedingungen geben wenig Gestaltungsspielraum.

Sicher ist, dass Rohner seinen geheimen Nachfolgeplan sofort hätte auf den Tisch legen müssen, wenn die Untersuchung auch eine Mitschuld Thiams festgestellt hätte. Doch die Untersuchung war offensichtlich nicht so angelegt. Sie klammerte just das gespannte persönliche Verhältnis zwischen Iqbal Khan und Thiam aus, ohne das die dramatische Eskalation wohl gar nicht möglich gewesen wäre.

Zu denken gibt auch der Umstand, dass der Credit-Suisse-Verwaltungsrat den Sachverhalt von einer Anwaltskanzlei durchführen liess, obschon die Affäre keine grossen Rechtsbelange aufweist. Credit Suisse zählt zu den wichtigen Kunden von Homburger – ein Interessenskonflikt war damit vorprogrammiert. In der Rolle des Saubermanns macht Rohner in der Khan-Affäre keine überzeugende Figur. Ob wenigstens Khan als Gewinner aus der Geschichte hervorgehen wird, muss sich noch weisen. Seine vormaligen CS-Kollegen werden die Risiken genau erwägen, bevor sie einen Wechsel zur Rivalin UBS wagen. (aargauerzeitung.ch)

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Die CS-Chefs

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