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Brisanter Nebenjob: Schatzmeister des Bundes mischt bei Firmendeal mit

Urs Eggenberger sorgt als Vizedirektor der Eidgenössischen Finanzverwaltung dafür, dass der Bund zahlungsfähig bleibt. Doch ein Posten in der Privatwirtschaft wirft Fragen auf.

Sven Altermatt / ch media



Er ist der Herr des Geldes. Der Schatzmeister des Bundes. Der Mann, der dafür sorgt, dass die Eidgenossenschaft flüssig ist. Urs Eggenberger bewirtschaftet unser aller Geld. Und da gibt es noch einige andere Etiketten, die ihm anhaften: Manche verglichen ihn mit einem «Chefhändler der Schweiz» («Handelszeitung»), andere nannten ihn schlicht «Schuldenmanager» (NZZ).

Eggenberger ist Vizedirektor der Eidgenössischen Finanzverwaltung und Co-Leiter der Bundestresorerie. Als Schatzamt ist sie dafür zuständig, dass der Bund stets zahlungsfähig bleibt.

Urs Eggenberger ist Vizedirektor der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Bild: zvg

Eggenberger ist Vizedirektor der Eidgenössischen Finanzverwaltung und Co-Leiter der Bundestresorerie. Als Schatzamt ist sie dafür zuständig, dass der Bund stets zahlungsfähig bleibt. Dafür bewirtschaftet sie die Schulden, nimmt unter anderem Gelder am Kapitalmarkt auf und gibt Staatsanleihen aus – die sogenannten «Eidgenossen».

Im staatlichen Auftrag brütet Eggenberger überdies in wichtigen Gremien über Anlagefragen. So sitzt er im Verwaltungsrat des AHV-Ausgleichsfonds und im Anlageausschuss der bundeseigenen Pensionskasse Publica. Immer geht es um Milliarden, um viele Milliarden. Die so gebündelte Marktmacht: bemerkenswert.

Bemerkenswert ist auch der Nebenjob von Urs Eggenberger. Während sich die Spitzenbeamten des Bundes in der Regel neben ihrer eigentlichen Arbeit auf Ehrenämter, Vereinschargen und andere Miliztätigkeiten beschränken, hat er ein Mandat in der Privatwirtschaft: Vizedirektor Eggenberger ist Verwaltungsrat beim Medizintechnikunternehmen Mathys.

Unternehmen wird an börsenkotierten US-Multi verkauft

Das hoch spezialisierte Unternehmen aus dem Solothurnischen hat sich mit Produkten für den Gelenkersatz international einen Namen gemacht. Es beschäftigt gegen 600 Personen. Dank früherer Abspaltungen fungieren die Besitzerfamilien Mathys und Marzo seit Jahren auf der «Bilanz»-Liste der reichsten Schweizer.

Nun kommt es wieder zu einem grossen Deal – bei dem Eggenberger als Mitglied des Verwaltungsrats mitgemischt hat: Mathys wird an den US-Multi Colfax Corporation verkauft, wie jüngst bekannt wurde. Die Firma wird mit der Konzerntochter DJO zusammengeschlossen.

Gefällt habe der Verwaltungsrat den Entscheid «aus einer Position der Stärke sowie in enger Abstimmung mit dem Aktionariat». Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Colfax ist ein milliardenschwerer Konzern, gelistet an der New Yorker Börse. An der Führung, der Organisationsstruktur und den bestehenden Arbeitsverträgen bei Mathys soll sich nichts ändern.

Eggenberger wird sein Mandat abgeben

Ein leitender Bundesangestellter, der im Verwaltungsrat eines grösseren Unternehmens sitzt? Das ist an sich schon so ungewöhnlich wie selten. Aber ausgerechnet jener Bedienstete, der wie nur wenige an weitreichenden Anlageentscheiden beteiligt ist und mit öffentlichen Geldern geschäftet? Noch brisanter macht die Affiche, dass Mathys jetzt an einen börsenkotierten, international verflochtenen Konzern verkauft wird. Darauf angesprochen, äussern sich Eggenberger und die Finanzverwaltung nicht näher.

Unbeantwortet lässt ein Sprecher auch die Frage, ob die Nebenbeschäftigung des Vizedirektors unter den veränderten Vorzeichen nochmals neu beurteilt werden muss – auch auf potenzielle Interessenkonflikte hin. Klar ist: Eggenberger wird wie die anderen Verwaltungsratsmitglieder von seinem Mandat zurücktreten, sobald der Verkauf des Unternehmens formell abgeschlossen ist, wie Mathys auf Anfrage bekanntgibt. Dies soll voraussichtlich im Herbst der Fall sein.

Der Betriebsökonom Eggenberger war einst selbst Kader bei Mathys, bevor er in die öffentliche Verwaltung wechselte. 2007 übernahm er die Leitung der Bundestresorerie. Seit 2015 teilt er sich den Posten mit einem weiteren Vizedirektor im Jobsharing; ein solches Modell ist auf dieser Stufe weiterhin die Ausnahme. Als Eggenberger dann 2016 erstmals in den fünfköpfigen Verwaltungsrat von Mathys gewählt wurde, hatte die Finanzverwaltung dagegen nichts einzuwenden. Alles völlig regelkonform.

So kam eine Prüfung zum Schluss, «dass die Nebenbeschäftigung das Arbeitsverhältnis von Urs Eggenberger mit dem Bund nicht negativ beeinflusst und kein Interessenskonflikt besteht». Wie viel er für das Mandat kassiert, ist nicht öffentlich bekannt. Ohnehin kein Problem sahen die Verantwortlichen wegen der zeitlichen Belastung, zumal Eggenberger für das Jobsharing sein Pensum auf 70 Prozent reduziert hatte.

Teilzeitarbeit fördern für Nebenjobs?

In einer früheren Stellungnahme hielt die Finanzverwaltung sogar fest: Man begrüsse es grundsätzlich, wenn ihre Teilzeitangestellten auch «Nebenbeschäftigungen in der Privatwirtschaft ausüben». Denn dabei könnten sie «häufig wertvolle Erfahrungen sammeln, wovon auch die Bundesverwaltung profitiert», hiess es noch im Oktober 2020 gegenüber dieser Zeitung.

Ermöglicht der Bund seinen Angestellten die Teilzeitarbeit also auch, damit sie einer Nebenbeschäftigung nachgehen können? Das Eidgenössische Personalamt verneinte dies im vergangenen Herbst explizit. Allgemein betonte es:

«Nebenbeschäftigungen zu fördern, ist und kann kein Ziel der Personalpolitik der Arbeitgeberin Bundesverwaltung sein.»

Ermöglicht wird die Teilzeitarbeit vielmehr aus einschlägig bekannten Gründen – namentlich für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. (aargauerzeitung.ch)

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