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Lehrstellen sollen früher ausgeschrieben werden – das passt vielen nicht



Die Tessiner Regierung will bis 2023 die Anzahl Lehrstellen deutlich erhöhen. (Symbolbild)

Die Jugendlichen sollen sich früher um Lehrstellen bemühen müssen Bild: KEYSTONE

Die Ausschreibung von Lehrstellen soll bereits im Frühjahr des zweiten Jahrs in der Sekundarstufe erfolgen. Das stösst bei Lehrerinnen und Lehrern sowie Berufsverbänden auf Widerstand. Die Chancengleichheit sei gefährdet und der Druck auf die Jugendliche steige. Zudem brächten private Lehrstellenvermittler und Testanbieter Eltern und Junge unter Zugzwang.

Gemäss den sprachregionalen Lehrplänen verfügt die Schweiz über einen Berufswahlfahrplan, schreiben der kaufmännische Verband, der Verband der Fachleute für Laufbahnentwicklung sowie die Lehrerinnen- und Lehrerverbände der Deutsch- und Westschweiz (LCH und SER). Während der drei Jahren in der Sekundarstufe sollen die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erwerben für eine selbstständige Berufswahl. Darauf hätten sich alle Partner geeinigt.

Nun würden Lehrstellen bereits Ende des zweiten Sekundarstufenjahrs vergeben. Die Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz fällte im weiteren den Entscheid, die Ausschreibung der Lehrstellen ab dem März des zweiten Sekundarstufenjahrs zuzulassen. Bisher startete die offizielle Ausschreibung der Lehrstellen erst am 1. August des letzten Sekundarstufen-Schuljahrs, kritisieren die Organisationen.

Schnupperlehre keine Selektion

Schnupperlehren im zweiten Jahr dienten gemäss dem geltenden Berufswahlfahrplan der Berufsfindung und nicht der Bewerbung. Weil nach neuer Regelung der Berufsbildungsämter die Lehrstellen zu diesem Zeitpunkt aber bereits publiziert seien, steige der Druck auf die Auszubildenden, sich eine Stelle zu sichern. Der für eine erfolgreiche Berufswahl wichtige Selbstfindungsprozess werde damit verkürzt und verfälscht.

Lehrstellen früher ausschreiben - gute Idee?

Rund um die Lehrstellensuche habe sich in den letzten Jahren eine rege Geschäftstätigkeit Privater entfaltet, schreiben die Organisationen weiter. Mit aggressivem Marketing setzten private Lehrstellenvermittler Jugendliche und Eltern unter Zugzwang.

Eignungstests aller Art mit einer eigentlichen Vorbereitungsindustrie seien im Angebot. Diese Tests dienten den Lehrbetrieben immer häufiger als alleinige Grundlage bei der Lehrstellenvergabe. Die Aussagekraft der Tests sei aber zu hinterfragen, schreiben die Organisationen.

Reger Datenhandel

Und die privaten Testanbieter haben den Angaben zufolge eine weitere Geldmaschine entdeckt. Sie bieten den Lehrbetrieben gegen Entgelt Kontaktdaten von guten Absolventinnen und Absolventen ihrer Tests an. Die Verbände werten das als Verstoss gegen die Chancengleichheit.

Sie verlangen darum, dass die Ausschreibung von Lehrstellen frühestens ein Jahr vor Lehrbeginn erfolgen darf, also wie bisher ab 1. August des vorangehenden Jahrs. Schnupperlehren müssten frei von Selektionsdruck sein. Die Vermittlung von Kontaktdaten solle verboten und der Datenschutz durchgesetzt werden, lauten weitere Forderungen.

Das Schweizerische Dienstleistungszentrum für Berufsbildung und -beratung soll im weiteren keine privaten Daten an Unternehmen weitergeben, «um auf Kosten Lehrstellen suchender Jugendlicher und ihrer Eltern lukrative Geschäftsmodelle umzusetzen». (aeg/sda)

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So entwickelten sich die Lehrstellen

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So entwickelten sich die Lehrstellen
quelle: keystone / alexandra wey
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