Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04859033 A handout image provided by NASA on 24 July 2015 shows the dwarf planet Pluto. Four images from New Horizons’ Long Range Reconnaissance Imager (LORRI) were combined with color data from the Ralph instrument to create this sharper global view of Pluto. The images, taken when the spacecraft was 280,000 miles (450,000 kilometers) away from Pluto, show features as small as 1.4 miles (2.2 kilometers), which is twice the resolution of the single-image view captured on July 13. and revealed at the approximate time of New Horizons’ July 14 closest approach.  EPA/NASA / HANDOUT Image Credit: NASA/JHUAPL/SwRI HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Vom Planeten zum Zwergplaneten herabgestuft: Pluto. Bild: EPA/NASA

Vom Popstar zum Eiszwerg – vor 90 Jahren wurde Pluto entdeckt

Einem elfjährigen Mädchen verdankt Pluto seinen Namen. Und einem ähnlich grossen Himmelskörper in den eisigen Gefilden des Kuipergürtels, dass er seinen Status als Planet verlor. Doch der Eiszwerg hat viele Fürsprecher, die das gern wieder ändern würden.



Kaum ein Himmelskörper erhitzt die Gemüter wie der Eiszwerg Pluto am Rande unseres Sonnensystems: Noch nach mehr als einem Jahrzehnt hält die Diskussion um seine Degradierung zum Zwergplaneten an, die von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) 2006 entschieden worden war. Zum 90. Jahrestag der Pluto-Entdeckung hat das Hamburger Planetarium sogar eine Initiative gestartet, um Pluto wieder in die Riege der Planeten aufzunehmen, «Pluto for Planet».

Die ferne Eiswelt war am 18. Februar 1930 von Clyde Tombaugh am Lowell-Observatorium in Flagstaff (US-Bundesstaat Arizona) aufgespürt worden, das zum Jahrestag der Entdeckung ein eigenes Pluto-Festival veranstaltet. «Die Entdeckung Plutos war von grosser Bedeutung, da es der erste Vorstoss in den Kuipergürtel in den Aussenregionen des Sonnensystems gewesen ist», betont IAU-Sprecher Lars Lindberg Christensen.

Der Kuipergürtel jenseits des Planeten Neptun ist eine Art eisiges Archiv. In ihm tummeln sich Millionen urtümliche Brocken aus der Frühzeit des Sonnensystems – einige darunter von ähnlicher Grösse und Masse wie Pluto, wie wir heute wissen.

Viel kleiner als angenommen

«Pluto war unser erster Hinweis darauf, dass das Sonnensystem einen enormen Fundus gefrorener Himmelskörper besitzt, die bei der Entstehung der Planeten übrig geblieben sind», sagt US-Astronom Mike Brown vom California Institute of Technology (Caltech), dessen Entdeckung des Zwergplaneten Eris den letzten Anstoss zur Herabstufung Plutos gegeben hatte. «Auch wenn es mehr als 60 Jahre gedauert hat, die Bedeutung zu verstehen, wissen wir heute, dass diese Sammlung an Himmelskörpern wichtige Hinweise auf unsere früheste Geschichte und die Ereignisse seitdem enthält.»

Berge und Eisflächen auf dem Pluto.

Faszinierende Vielfalt von Landschaften: Berge und Eisflächen auf Pluto. Bild: Nasa

Nach der Entdeckung war Pluto als neunter Planet unseres Systems eingestuft worden. Damals hielten ihn die Astronomen allerdings auch noch für deutlich grösser, mindestens so gross und schwer wie die Erde. Der Marsforscher Percival Lowell (1855-1916) hatte bereits 1905 postuliert, dass es jenseits des Neptun einen Planeten geben müsse, dessen Schwerkraft für leichte Unregelmässigkeiten in der Neptunbahn verantwortlich sein sollte.

Diesen «Transneptun» suchte Lowell an seinem eigenen Observatorium zeitlebens vergeblich. Sein Nachfolger Vesto Slipher stellte 1929 schliesslich den jungen Amateurastronomen Tombaugh ein, um die Suche fortzusetzen. Tatsächlich stiess der damals 24-Jährige bereits nach wenigen Monaten auf den bis dahin unbekannten Himmelskörper – ein Zufall, wie sich später herausstellte.

Denn Pluto ist entgegen der ursprünglichen Annahmen winzig, nur etwa ein Drittel so gross und ein Fünftel so schwer wie unser Mond und kann damit Neptuns Umlaufbahn nicht beeinflussen. Seine Position liess sich daher auch nicht aus der Beobachtung von Neptun berechnen.

Grössenvergleich zwischen Erde (l.), Mond (oben r.), Pluto und seinem Mond Charon (unten r.).
https://de.wikipedia.org/wiki/Pluto#/media/Datei:Pluto_Charon_Moon_Earth_Comparison.png

Grössenvergleich zwischen Erde (l.), Mond (oben r.), Pluto und seinem Mond Charon (unten r.). Bild: Wikimedia

Mädchen mit Hang zur Mythologie

Die Nachricht von der Entdeckung, die am 13. März 1930 zu Lowells 75. Geburtstag bekannt gemacht wurde, stiess weltweit auf grosses Interesse. Immerhin war es der erste Neuzugang im Planetensystem, seit 84 Jahre zuvor Neptun erspäht worden war. Pluto erlangte eine Art Popstar-Status: Walt Disney benannte den Comic-Hund seiner Figur Micky Maus nach dem neuen Planeten, das Element Plutonium verdankt ihm seinen Namen und selbst ein Antarktis-Gletscher heisst nach ihm.

Der Name Pluto stammte dabei weder von Tombaugh, der nach der Entdeckung als Astronom und Universitätsprofessor Karriere machte, noch von sonst einem Wissenschaftler, sondern von einem elfjährigen Mädchen aus England: Venetia Phair (geborene Burney) aus Oxford hatte die Entdeckung 1930 von ihrem Grossvater beim Frühstück aus der Zeitung vorgelesen bekommen.

Venetia Phair (geborene Burney) zur Zeit, als sie Pluto zu seinem Namen verhalf.

«Ich hatte von den griechischen und römischen Legenden in Kinderbüchern gelesen und kannte das Sonnensystem und die Namen der anderen Planeten», erzählte die 87-jährige Phair 2006 der US-Raumfahrtbehörde Nasa. «Also dachte ich, diesen Namen gibt es noch nicht.» Phairs Grossvater berichtete einem befreundeten Astronomen von der Idee, der sie an die Entdecker vom Lowell-Observatorium übermittelte.

Pluto for Planet!

Bis heute hadern vor allem Teile der Öffentlichkeit, aber auch manche Forscher mit dieser Herabstufung. «Die aktuelle Definition der IAU [siehe Infobox, AdV] basiert auf einer Momentaufnahme des Planetensystems, die weder sinnvoll noch wissenschaftlich weiterführend ist», argumentiert der Hamburger Planetariumsdirektor Thomas Kraupe auf der Internetseite seiner Initiative, www.plutoforplanet.de. Weder die Gestalt oder Lage der Umlaufbahn noch die Nachbarschaft sollte bei der Planetendefinition grundsätzlich eine Rolle spielen, findet Kraupe.

«Wir setzen uns dafür ein, dem Forschergeist junger Menschen keinen doch recht willkürlichen Riegel vorzuschieben. Unzählige weitere Planeten jenseits von Pluto warten auf ihre Entdeckung und Erforschung.» Kraupe plädiert dafür, innerhalb der Planeten eine Unterklasse der Zwergplaneten zu schaffen, so wie es bereits Gasriesen und Gesteinsplaneten sind.

Was ist ein Planet?

Gemäss der Definition der IAU gilt ein Himmelskörper seit 2006 dann als Planet, wenn er folgenden Kriterien entspricht:
• Er muss sich auf einer Umlaufbahn um einen Stern (z. B. unsere Sonne) bewegen.
• Er muss genug Masse besitzen, damit er aufgrund der eigenen Schwerkraft annähernd kugelförmig ist.
• Er muss seine Umlaufbahn dominieren – das heisst, er muss im Laufe der Zeit seine Umlaufbahn von anderen Objekten «freigeräumt» haben (es dürfen also keine weiteren grossen Himmelskörper auf ähnlichen Bahnen laufen).
Das letzte Kriterium – das Pluto eben nicht erfüllt – stösst bei manchen Astronomen auf Kritik. Es sei sinnlos, denn der Orbit eines Planeten und auch die Menge seiner Begleiter seien dynamisch und änderten sich im Laufe der Zeit ständig. Zudem würde selbst die Erde ihren Planetenstatus verlieren, wenn sie auf der Umlaufbahn des Pluto kreiste, denn sie könnte dort niemals alle Objekte wegräumen. Zumal sei das Kriterium nur für unser Sonnensystem anwendbar, gelte aber nicht für Exoplaneten.

Auch der Chefwissenschaftler der Pluto-Sonde «New Horizons», Alan Stern von der US-Raumfahrtbehörde Nasa, sähe Pluto gern weiter in der offiziellen Gruppe der Planeten. Stern ist der Meinung, die IAU habe sich mit ihrer Neudefinition blamiert und «ein Problem für sich selbst und für die Astronomie produziert». Und Nasa-Chef Jim Bridenstine bekannte unlängst auf dem 70. Internationalen Astronautik-Kongress in Washington: «Ich bin hier als Nasa-Chef, um euch zu sagen, dass ich glaube, dass Pluto ein Planet ist, und ich werde auch weiterhin allen sagen, dass Pluto ein Planet ist.»

Sollte Pluto wieder den Planetenstatus erhalten?

(dhr/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So hat kein Mensch bisher den Pluto gesehen

Theoretisch bewohnbarer Planet entdeckt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel