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Mädchen, traurig, depressiv, Coronavirus, Covid-19, SARS-CoV-2 (Symbolbild)

Sich viel zu lange Informationen über Covid-19 auszusetzen, ist nicht gesund. Bild: Shutterstock/watson

Vorsicht! Wenn du zu viel Corona-Nachrichten liest, kann dich das depressiv machen



Dieser Text hat etwas Paradoxes: Er informiert dich, liebe Leserin, lieber Leser, über eine der zahlreichen Gefahren der Corona-Pandemie, nämlich jene, dass zu viel Information über die Corona-Pandemie schädlich sein kann. Du bist also gewarnt – wenn du weiterlesen willst, geschieht dies auf dein eigenes Risiko.

In Panik verfallen und diesen Beitrag aus Sorge über dein Wohlergehen gleich wieder wegklicken musst du gleichwohl nicht. Nur wenn du dir jeden Tag mindestens drei Stunden lang Corona-Informationen zumutest, könnte es dir schaden. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine im Journal of Medical Internet Research publizierte Studie von Wissenschaftlern aus Thailand und Kanada, die eine landesweite Online-Befragung in Thailand durchführten. Ihr Ziel war, den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Nachrichten über Covid-19 und der psychischen Gesundheit während der Pandemie zu untersuchen.

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Die Befragung, an der 4004 Personen vollständig teilnahmen, fand vom 21. April bis zum 4. Mai 2020 statt. Die Forscher um Pajaree Mongkhon von der Universität Chiang Mai und den Epidemiologen Brian Hutton teilten die Befragten in drei Gruppen ein, je nach täglicher Dauer ihrer Beschäftigung mit Informationen über Covid-19. Bei der ersten Gruppe (37,0 %, 1481 Personen, Referenzgruppe) betrug diese weniger als eine Stunde, bei der zweiten (41,1 %, 1644 Personen) eine bis zwei Stunden und bei der dritten Gruppe (22,0 %, 879 Personen) drei Stunden oder mehr.

Um bei den Befragten verschiedene psychische Probleme wie Depressionen, Ängste, wahrgenommenen Stress und Schlaflosigkeit zu eruieren, setzten die Forscher unterschiedliche Fragebögen ein. Die genannten psychischen Beeinträchtigungen setzten sie in Zusammenhang mit der Dauer der zu Covid-19 konsumierten Informationen.

Die befragten Personen bezogen ihre Informationen über Covid-19 hauptsächlich über soziale Medien, wie die Forscher feststellten. 95,3 Prozent nutzten diese Kanäle als Quelle, während es bei den traditionellen Medien 68,7 Prozent waren. Familienmitglieder stellten für 34,9 Prozent eine Informationsquelle dar.

Die Auswertung der Daten ergab, dass zwischen den psychischen Symptomen und der Dauer, während der sich die Befragten jeden Tag mit Nachrichten über Covid-19 befassten, tatsächlich eine Korrelation bestand. Bei jenen Personen, die sich jeden Tag mindestens drei Stunden lang Covid-19-Meldungen aussetzten, ergab eine zusätzliche Analyse zudem Hinweise darauf, dass es bei dieser Gruppe zusätzlich einen Zusammenhang mit der Schwere der Symptome gab.

Die Personen in dieser Gruppe hatten ein deutlich höheres Risiko, depressive Symptome (Quotenverhältnis OR 1,35) oder Ängste zu entwickeln (OR 1,88) oder unter Schlaflosigkeit zu leiden (OR 1,52) als die Referenzgruppe, bei der die Befragten weniger als eine Stunde täglich Covid-19-Informationen ausgesetzt waren. Im Vergleich zur Referenzgruppe war dagegen bei jener Gruppe, in der diese Dauer zwischen ein und zwei Stunden betrug, nur das Risiko für Ängste erhöht (OR 1,35). Keine Korrelation fand sich zwischen der Dauer der Beschäftigung mit Covid-19-Informationen und dem wahrgenommenen Stress.

Die Forscher stellen abschliessend fest, ihre Studie lege den Schluss nahe, dass Personen, die regelmässig länger Covid-19-Informationen ausgesetzt seien, häufiger an Depressionen, Ängsten und Schlaflosigkeit litten. Es zeige sich auch, dass Social Media die Hauptquelle für Covid-19-Informationen seien. Zudem stellen sie fest, es seien noch Langzeitstudien notwendig, um die Langzeitfolgen zu erforschen, die jenen Personen drohen könnten, die für längere Zeit Covid-19-Informationen ausgesetzt seien.

Wie stets bei solchen Studien gilt es freilich zu beachten, dass eine festgestellte Korrelation noch nicht zwingend eine Kausalität belegt – möglicherweise spielen auch andere Faktoren noch eine Rolle, etwa die Auswirkungen von Isolation oder finanziellen Einbussen, sollten einige der Befragten davon betroffen gewesen sein. Gleichwohl dürfte es nicht verkehrt sein, den Konsum von Corona-Meldungen nicht überhand nehmen zu lassen – insbesondere wenn man sie aus den sozialen Medien bezieht.

(dhr)

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quelle: keystone
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