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Haben sich Patienten zweimal mit dem Coronavirus angesteckt? Forscher sind skeptisch

In Japan soll sich eine Frau nach einer überstandener Coronavirus-Erkrankung erneut angesteckt haben. Gibt einen zweistufigen Erkrankungsverlauf? Eine Studie aus China weist in diese Richtung, Experten sehen das eher skeptisch.



Nachdem der Fall einer Frau in Japan die Runde gemacht hat, bei der nach überstandener Coronavirus-Erkrankung offenbar eine zweite Ansteckung auftrat, gibt es Diskussionen über einen möglichen zweistufigen Erkrankungsverlauf.

Commuters wearing masks stand in a packed train at the Shinagawa Station in Tokyo, Monday, March 2, 2020. Coronavirus has spread to more than 60 countries, and more than 3,000 people have died from the COVID-19 illness it causes. (AP Photo/Jae C. Hong)

Geschützt: Pendler an der Shinagawa Station in Tokyo. Bild: AP

Neben dem Fall in Japan, bei dem eine rund 40 Jahre alte Frau Tage nach ihrer Genesung erneut Symptome bekam, und in der Folge ein zweites Mal positiv getestet wurde, berichten Wissenschaftler vom Zhongnan Hospital der Universität von Wuhan – dem Epizentrum der Epidemie in China – und Peking im «Journal of the American Medical Association» (JAMA) über vier weitere ähnliche Fälle: Alle Patienten wurden Anfang des Jahres mit dem neuen Coronavirus (Covid-19) angesteckt und erholten sich wieder.

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Bei den Infizierten waren zumindest an zwei Tagen in Folge Tests auf den SARS-CoV-2-Erreger negativ. Fünf bis 13 Tage später fielen allerdings wieder mehrere Tests positiv aus. In Gegensatz zu der Japanerin zeigten die vier Patienten allerdings keine erneuten Symptome.

Die chinesischen Forscher führen die Einschränkungen ihrer Studie unter anderem hinsichtlich der sehr kleinen Fallzahl und der Tätigkeit der Teilnehmer in Gesundheitseinrichtungen prominent an, sehen aber die Notwendigkeit, Patienten im Verlauf nach der Erkrankung verstärkt weiter zu beobachten.

Nicht unbedingt Re-Infektion

Isabella Eckerle, die an den Universitätskliniken Genf die Forschungsgruppe «Emerging Viruses» leitet, mahnt zur Vorsicht, die erneuten positiven Testergebnisse bei genesenen Patienten als Re-Infektion zu interpretieren. Auch bei anderen Viren seien gegen Ende der Erkrankung noch Reste des Virus in den Atemwegen zu finden.

Dass Tests zwischenzeitlich negativ ausfallen, könne auch an der Art der Probenentnahme liegen: «Ein guter nasopharyngealer Abstrich ist unangenehm für den Patienten», so Eckerle. «Sollte das zuständige Personal beispielsweise zu zaghaft vorgehen, kann eine Probe auch einmal negativ getestet werden. Wird der Abstrich wieder korrekt durchgeführt, weist er beim nächsten Mal wieder Virus nach.» Dass erneut Symptome auftreten, könne auch auf eine Ko-Infektion mit anderen Viren zurückgehen.

Man gehe davon aus, wenn jemand die Erkrankung überstanden habe, dass sich Antikörper gebildet haben und sich das Virus nicht weiter im Körper vermehrt. «Es ist daher pragmatisch und sinnvoller, dass man bei der Beurteilung des Patienten nach den klinischen Symptomen geht», sagte Eckerle.

Sollte man viele Patienten auf einmal in den Kliniken haben, sei es kontraproduktiv, die gesundeten Patienten solange in den Kliniken zu behalten, bis auch die Tests negativ ausfallen.

Nur noch Erbgut vorhanden

Auch für den an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) forschenden Virologen Florian Krammer ist die einfachste Erklärung für die zwischendurch negativen Tests bei den vier Studienteilnehmern aus China, dass «etwas bei der Probennahme oder aber beim Testen schief gelaufen ist».

Da der Test nach dem Erbgut des Virus fahndet, sage ein positiver Test nur wenig über die Ansteckungsgefahr aus, die von einer Person aktuell ausgeht: «Es kommt sehr wohl oft vor, dass noch Virusgenom vorhanden ist, aber kein infektiöses Virus mehr. Bei Masern ist das oft über Monate der Fall.»

Auch angesichts des Falles der japanischen Patientin sei es aus wissenschaftlicher Sicht auf jeden Fall wichtig, «genesene Patienten weiterzuverfolgen, weil wir noch keine Ahnung von Langzeitauswirkungen von COVID-19 haben», so Krammer. (sda/apa)

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