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Model Veruschka sporting makeup shades for 1966 by Helena Rubenstein, puffed dog collar of blue stones by Jack Gilbert. (Photo by Franco Rubartelli/Condé Nast via Getty Images)

Vogue, 1966: Model Veruschka mit Make-up-Farben für 1966 von Helena Rubenstein und einem gepufften Hundehalsband aus blauen Steinen von Jack Gilbert. Bild: Conde Nast Collection Editorial

History Porn

Vom Korsett zur Diversität: Schönheitsideale im Wandel der Zeit

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«Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschliesst, du selbst zu sein.»

Coco Chanel

Die Vorstellungen von Schönheit ändern sich laufend. Und leider waren sie nicht immer ganz so selbstbestimmt und frei, wie es Coco Chanel einst formulierte – ein Bilder-Spaziergang durch die Zeit.

Der lange Abschied vom Korsett

ORIGINAL CAPTION READS: Young lady in victorian corset. Back view seated in chair. Undated photograph.

Bild: Bettmann

Jahrhundertelang schnürte dieses Leibstück die Körper der Frauen ein, mal sollte damit die Brust flachgedrückt wie im 16. Jahrhundert in Spanien, mal sollte sie hochgepresst werden wie am französischen Hofe des 17. Jahrhunderts. Dort galt es dann bald auch als schön, die Taille so sehr zu verschmälern, dass sie der einer Wespe glich.

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Französische Korsett-Werbung, Paris, 1908. bild: wikimedia

11th March 1909:  An advertisement for the Jeunette corset 'a la Persephone', which gives a straight back and graceful lines over the hips.  Hearth And Home - pub. 1909  (Photo by Hulton Archive/Getty Images)

Eine Werbung für das «Jeunette»-Korsett, 1909. Bild: Hulton Archive

Der barocke Mieder musste also der Natur eines Frauenkörpers entgegenwirken, den Brustkorb und die Rippen verformen und die Organe verschieben, was er mit Stahlfedern als Versteifung an den Seiten erreichte.

Im 19. Jahrhundert trug auch manch ein Dandy ein Korsett, selbst bei Militäruniformen war es üblich und wurde von Sisis Gatten Kaiser Franz Joseph I. bis ins hohe Alter getragen.

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Satirische Zeichnung eines Dandys, der sich in ein Korsett einschnüren lässt, 1819. Schenkel und Schultern wiederum werden ordentlich ausgepolstert. bild: wikimedia

Und dann kam die Schauspielerin Camille Clifford, die mit ihrer Sanduhr-Figur und ihrem hochgesteckten Haar zum weiblichen Schönheitsideal des noch jungen 20. Jahrhunderts wurde.

(Original Caption) Portrait of Camille Clifford, the original

Camille Clifford, das Original-«Gibson Girl», 1906. Bild: Bettmann

Gleich geht's weiter mit den Schönheitsidealen von damals, vorher ein kurzer Werbe-Hinweis:

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Und nun zurück in die Vergangenheit ...

Mit ihrer 18-Zentimeter-Taille war sie das erste lebendige Modell der «Gibson Girl»-Federzeichnungen des Künstlers Charles Dana Gibson, dem Schöpfer «tausender amerikanischer Mädchen».

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Von Charles Dana Gibson gezeichnete «Gibson Girls» am Strand. bild: wikimedia

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Weitere «Gibson Girl»-Models, die den perfekten Typus des amerikanischen Mädchens repräsentierten. bild: vintag.es

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Der Hals lang und dünn, das Haar lockig. bild: vintage.es

Gross und schlank musste die Frau sein, aber mit üppigem Busen, Hüften und Gesäss. Die S-Kurvenform ihres Körpers erreichte sie durch das steife Sans-Ventre-Korsett (franz. ohne Bauch), das den Bauch verschwinden liess, die Hüften nach hinten drückte und den Oberkörper leicht nach vorn beugte. Sprich: Die gesamte Frau in eine wahrhaft unnatürliche und ungesunde Haltung presste.

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Die neue S-Form. bild: wikimedia

June 1902:  America's leading corset the Erect Form follows the natural outlines of the form and does not compress the figure into a graceless illogical shape.   Original Publication: From 'The Ladies Field'  (Photo by Hulton Archive/Getty Images)

«The Erect Form», 1902: Das Korsett, das angeblich den natürlichen Konturen der Form folgt und die Figur nicht in eine anmutige, unlogische Form staucht. Bild: Hulton Archive

Immer wieder rieten Ärzte von der einschnürenden, gesundheitsschädlichen Mode ab, doch es sollten noch etliche Frauen aus Atemnot in Ohnmacht fallen oder gar sterben, bis man endlich davon abliess.

Tragische Fälle wie derjenige einer jungen Dame der Pariser Gesellschaft, die für ihre schmale Taille bewundert wurde, halfen dabei:

«Ihre Familie wollte wissen, was diesen plötzlichen Tod in so früher Jugend verursacht hatte, und man beschloss, eine Autopsie vorzunehmen. Der Befund war erschütternd: Die Leber von drei Rippen durchbohrt!!! So also stirbt man mit 23 Jahren! Nicht am Typhus, nicht im Kindbett, sondern am Korsett!»

Pariser Zeitung aus dem Jahr 1859

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Nach 1900 entwarfen Modeschöpfer wie der Franzose Paul Poiret erste korsettlose Gewänder. bild: pinterest

Aber auch die Frauenrechtlerinnen wehrten sich gegen jene Kleidergefängnisse und als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, sorgten die Frauen in den Munitionsfabriken dafür, dass ihre in den Schützengräben liegenden Männer über Waffen verfügten. Sie schufteten in den Fabriken, fuhren Last-, Krankenwagen und Strassenbahnen, säten die Felder aus und brachten die Ernte ein.

Women At Work During The First World War: Munitions Production, Chilwell, Nottinghamshire, England, UK, c. 1917, Two women munitions workers stand beside examples of the shells produced at National Shell Filling Factory No.6, Chillwell, Nottinghamshire during the First World War, circa 1917. (Photo by Horace Nicholls/ Imperial War Museums via Getty Images)

Zwei Munitionsarbeiterinnen der National Shell Filling Factory in Chillwell, Nottinghamshire, ca. 1917. bild: Imperial War Museums

All das liess sich in den unbeweglichen Korsetts und den ausladenden Glockenröcken natürlich nicht bewerkstelligen, ausserdem brauchte man nun alles Metall für die Rüstungsindustrie – Korsetts damit zu verstärken oder Schnürösen und Haken daraus zu fertigen, galt als Verschwendung kriegswichtiger Materialien.

Women In The First World War, Industry, Transport and Agriculture: A woman parcel truck driver of the Great Eastern Railway Company driving a battery powered rail parcel truck. She has chosen to wear her own patterned stockings and clasp shoes with her uniform, circa 1918. (Photo by G P Lewis/ Imperial War Museums via Getty Images)

Eine Paketwagenfahrerin der Great Eastern Railway Company in Uniform – dazu trägt sie ihre eigenen gemusterten Strümpfe und Spangenschuhe, 1918. Bild: Imperial War Museums

Auch an Stoff, Farben und überhaupt allem Zierrat wurde fortan gespart, und so wurden die Röcke kürzer, die Farben dunkler, der Schmuck und die ausladenden Kleider verschwanden und wichen einer praktischen, militärisch angehauchten Mode, die das vormals riesige Gefälle zwischen den Geschlechtern in Sachen Kleidung und dazugehöriger Rolle erheblich zu verkleinern schien.

Die grosse Befreiung

A group of high school flapper girls pose for a formal portrait, ca. 1925 (Photo by Kirn Vintage Stock/Corbis via Getty Images)

Bild: Corbis Historical

Zu einer Art geschlechtlicher Verschmelzung kam es dann in der Mode der Roaring Twenties, die im Flapper-Look gipfelte, der frechsten, kecksten und androgynsten Ausführung jener neuen Modetrends: Jazz hörende, rauchende und (während der Prohibition!) hochprozentigen Alkohol trinkende Frauen mit Bubikopf und in luftigen Kleidern, die die Oberweite abflachten, anstatt sie zu betonen.

Die Figur sollte nicht mehr länger an die viktorianische Üppigkeit erinnern, fortan sollte alles gerade, locker, knabenhaft sein.

Alden Gay wearing an emerald and pearl necklace; pear-shaped emerald earrings; a diamond and emerald cabochon headband; bracelets of diamonds, emeralds, and sapphires; a square emerald ring; an oblong pin of pave diamonds and square emeralds; and a large white diamond ring, all by Cartier. (Photo by Edward Steichen/Condé Nast via Getty Images)

Vogue 1924: Alden Gay behängt mit Smaragden, Perlen, Diamanten und Saphiren. bild: conde nast collection editorial

Model wearing a hat and a two-piece tweed dress with box-pleated skirt designed by Drecoll and holding a leopard-print fur envelope purse. (Photo by Edward Steichen/Condé Nast via Getty Images)

Vogue 1926: Ein Model in einem zweiteiligen Tweedkleid mit kastenförmigem Rock. Bild: Conde Nast Collection Editorial

Tagsüber arbeiteten die Frauen in gradlinigem Hemd, geschlitztem oder gefaltetem Rock und eng anliegendem Glockenhut (Cloche), wählten, stimmten ab und fuhren Fahrrad, während sie sich des Nachts mit langen Seilperlenketten behangen durch die Clubs tanzten. Alles roch nach Bohème, nach Befreiung, nach Fortschritt.

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bild: pinterest

Und auch die Männer liessen ihre Fracks und Zylinder in den Schränken liegen, sie galten bald als altmodisch und versnobt. Der kurze Smoking war jetzt ihre Abendgarderobe, kombiniert mit einer Melone (Bowler).

Weltweit als göttliche Schönheit gefeiert wurde in jener Zeit die schwedisch-amerikanische Schauspielerin Greta Garbo. Zu Beginn ihrer Karriere war sie noch eher rundlich, das änderte sich aber 1926, als ihr erster amerikanische Film anstand und sie vom Hollywoodstudio gezwungen wurde, abzunehmen.

Actress Greta Garbo (Photo by �� John Springer Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images)

Die Hollywood-Ikone Greta Garbo (1905–1990), die aufgrund ihrer Schönheit und ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung von der Presse den Beinamen «die Göttliche» und «die schwedische Sphinx» erhielt. bild: John Springer Collection

So verwandelte sie sich in einen neuen und als modern empfundenen Typus einer schlanken, eleganten, leicht androgynen Frau.

Baden, Bikinis & Bräune

Ursula Andress, Swedish actress, wearing a white bikini and holding a conch shell in a publicity still issued for the film, 'Dr No', 1962. The James Bond film, directed by  Terence Young (1915-1994), starred Andress as 'Honey Ryder'. (Photo by Silver Screen Collection/Getty Images)  (Photo by Silver Screen Collection/Getty Images)

Ursula Andress in ihrem berühmten weissen Bikini in «Dr. No», 1962. Bild: Moviepix

Mit der Bewegungsfreiheit kam auch die Bewegung; Sport wurde zunehmend wichtiger. Körperliche Ertüchtigung galt nicht nur als gesund, sondern war immer auch emanzipatorisches und revolutionäres Anliegen.

Gleichzeitig begann man auch damit, seinen auf diese Weise schön gemachten Körper allmählich herzuzeigen: Bald wird er in einer noch nie dagewesenen Kühnheit sichtbar und öffentlich gemacht. Und dies in fortlaufend kürzer werdender Bademode.

In manch einem US-amerikanischem Bundesstaat gab es in den 1920er Jahren allerdings noch immer Gesetze, die die «Entblössung» und «Unsittlichkeit» im öffentlichen Raum verboten, worunter auch zu kurze Badeanzüge fielen.

Solcherlei Verstösse wurden von speziellen Vollzugsbeamten, den «Strandzensoren» an Ort und Stelle mit einer Geldstrafe belegt.

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Der Washingtoner Polizist Bill Norton misst den Abstand zwischen Knie und Anzug am Badestrand des Tidal Basin, der 1922 nicht mehr als 15cm betragen durfte. bild: via vintag.es

Während die Männer längst ihre Beine herzeigen durften, war dies den Frauen noch weitgehend untersagt. Ihre Badekleidung bestand zudem aus Flanell oder anderen blickdichten Stoffen, manchmal waren die Röcke gar mit Blei beschwert, damit sie im Wasser nicht aufschwammen.

Um sittlich korrektes Baden im 18. und 19. Jahrhundert zu ermöglichen, waren an Europas Stränden hölzerne Bade-Karren («Bathing Machines») üblich, die meist von einem Pferd zum Meer hinausgezogen wurden, damit die Damen der Schöpfung dort in ihren Alltagskleidern zur vorderen Tür hereingehen und mit einem Badeanzug zur hinteren wieder herauskommen konnten, ohne vom anderen Geschlecht gesehen zu werden.

Bathing Machines, the beach, Oostende

Badekarren am Strand von Ostende, Belgien. bild: viamessynessychic

Hatte die Dame genug gebadet, konnte sie auf dem Dach ihrer Bade-Maschine ein weisses Flägglein hissen, damit der Fahrer sie wieder an den Strand zurückfuhr.

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Eine Frau verlässt ihre Badekarre, 1893. bild: wikimedia

Stückweise begann man sich an die immer freier werdende Haut der Frauen zu gewöhnen. Und je mehr sie entblösst wurde, desto mehr war sie auch der Sonne ausgesetzt.

Braune, gegerbte Haut galt lange Zeit als verpönt, es war die Farbe der Bauern, der Sklaven und Seeleute, die draussen arbeiten mussten, während sich die vornehmen Leute – besonders die Damen – ihre edle Blässe mit ausladenden Hüten, Sonnenschirmchen, langen Röcken und Handschuhen bewahrten.

Two men wearing bathing suits (jersey tank tops and belted trunks) climbing up ladder toward two models (the one standing on the left is Georgia Graves) wearing belted one-piece jersey bathing suits (Ondine) with stripes on the bottom; designed by Lucien Lelong; bathing caps. (Photo by George Hoyningen-Huene/Condé Nast via Getty Images)

Vogue 1929: Die Männer tragen Jersey-Tank-Tops und gegürtete Badehosen, die Frauen wiederum gegürtete einteilige Jersey-Badeanzüge. bild: Conde Nast collection editorial

Water-skiing model with one arm raised, the other holding her tether, wearing swim cap and bathing suit: heavy white jersey tank top; high-waisted, short-legged and belted jersey trunks; designed by Hermes. (Photo by George Hoyningen-Huene/Condé Nast via Getty Images)

Vogue 1929: Ein Wasserski fahrendes Model mit Jersey-Tank-Top und hochtaillierter, kurzbeiniger und gegürteter Jersey-Hose. Bild: Conde Nast Collection Editorial

Doch im 20. Jahrhundert wurde alles anders: Braunsein bedeutete plötzlich: «Ich kann mir Urlaub am Meer leisten.» Ein sonnengeküsster Teint hiess: «Ich habe Geld.» Die Alabaster-Haut war gestern, ab 1950 setzte sich Bronze definitiv durch. Und mit ihr gleich auch der Bikini.

Nude dancer Micheline Bernardini models the first bikini at a contest to choose the most beautiful bathing girl. The bikini is so small it can fit into a matchbox, like the one she holds.

Die französische Nackttänzerin Micheline Bernardini präsentiert der Öffentlichkeit den ersten Bikini. Bild: Bettmann

Louis Réard benannte den revolutionären Zweiteiler nach dem Bikini-Atoll, wo die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Kernwaffentests durchführten. Er sollte eine ebenso durchschlagende und sensationelle Wirkung haben wie Atomkraft zu jener Zeit und nicht mehr länger nur von Anhängern der Freikörperkultur getragen werden, sondern von allen Frauen.

UNSPECIFIED - APRIL 1:  Model Gisele Bundchen in Louis Vuitton brown checkerboard bikini, walking across pool patio with man looking up at her from water  CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)

Vogue 1999: Gisele Bündchen im Bikini. Bild: Conde Nast Collection Editorial

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Und nun zurück zur Story ...

Filmstars der Nachkriegszeit

American film actress Marilyn Monroe (1926 - 1962) at her home in Palm Springs, 1954. (Photo by Baron/Hulton Archive/Getty Images)

Marilyn Monroe, 1954. Bild: Hulton Archive

Der Film und besonders seine Stars hatten im Laufe des 20. Jahrhunderts einen immer prägenderen Einfluss auf die Schönheitsideale.

Die Schauspielerin Betty Grable begleitete Millionen US-amerikanischer Männer in den Zweiten Weltkrieg. Sie war das Pin-up-Girl der 40er, aus unzähligen Spinden guckte sie heraus mit ihrem schelmischen Blick über die Schulter.

Popular American movie actress Betty Grable models a bathing suit in the most famous pinup photo of World War II.

Das berühmteste Pin-up-Foto: Betty Grable im Badeanzug. Bild: Bettmann

Die Zeit der «Sexbomben» war angebrochen. Und als der Krieg vorbei war, konnte man endlich wieder dem Leben frönen. Ausgiebig essen und trinken und so auch bald die Renaissance der üppigen weiblichen Formen feiern. Die Sanduhr-Figur war zurück, der grosse Busen wurde zum Ideal.

Verkörpert wurde es von berühmten Filmstars wie Rita Hayworth, Marilyn Monroe, Gina Lollobrigida, Sophia Loren und Brigitte Bardot.

Brigitte Bardot laying in the grass in a scene from the film 'The Bride is Much Too Beautiful', 1956. (Photo by S.N. Pathe Cinema/Getty Images)

Brigitte Bardot in «The Bride is Much Too Beautiful», 1956. bild: S.N. Pathe Cinema

Superschlank bei gleichzeitiger Vollbusigkeit, das war für die meisten Frauen natürlich nicht erreichbar. Und vielleicht auch gar nicht erstrebenswert, denn das sexuell aufgeladene Image der «sex bombs» beruhte fast ausschliesslich auf ihrer Fähigkeit, Männer zu verführen.

Von der echten Frau der 50er aber erwartete man, dass sie ihrem eigenen Mann gefiel und dies nicht nur mit besonders viel Eyeliner, Lippenstift und Haarspray, sondern ebenso mit einer sauberen Küche, einem guten Abendessen und artigen Kindern. Die Emanzipation machte Rückschritte. Nachdem die Männer von der Front zurückgekommen waren, beanspruchten sie ihre Jobs wieder, die die Frauen während des Krieges für sie übernommen hatten. Damit war ihr Reich wieder das des Hauses.

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Die fröhliche Hausfrau im typischen 50er-Jahre-Pünktchen-Kleid. bild: pinterest.

Neben den kurvigen Filmschauspielerinnen verehrte man auch den etwas eleganteren, jugendlich-schlanken Gegentypus, der von Grace Kelly, Romy Schneider oder Catherine Deneuve vertreten wurde.

(Eingeschränkte Rechte für bestimmte redaktionelle Kunden in Deutschland. Limited rights for specific editorial clients in Germany.) Schneider, Romy - Actress, Germany - *23.09.1938-29.05.1982+ Scene from the movie 'Sissi' Directed by: Ernst Marischka Austria 1955 Vintage property of ullstein bild (Photo by ullstein bild/ullstein bild via Getty Images)

Romy Schneider in «Sissi», 1955. Bild: ullstein bild

Audrey Hepburn war mit ihren knochigen Schultern eine Art Schönheits-Sonderfall; von Natur aus dünn, beinahe schon mager, verzauberte dieses grazile Wesen, das ursprünglich vom Ballett kam, überraschend die ganze Welt.

Belgian-born actress Audrey Hepburn (1929 - 1993) on the set of director Billy Wilder's film, 'Sabrina' (aka 'Sabrina Fair'), New York, October 1953. She is wearing a skirt suit and hat designed by Hubert de Givenchy. (Photo by Archive Photos/Getty Images)

Audrey Hepburn (1929 - 1993) am Set von «Sabrina», 1953. Bild: Archive Photos

Wenn die Frau als schwach und zerbrechlich gedacht wird, muss der ideale Mann natürlich ein Beschützer sein. Gross und breitschultrig mit glatt rasiertem, kantigem Gesicht. Einer wie John Wayne eben, der Leinwandheld der 50er Jahre.

(Original Caption) 1940-John Wayne as he appeared in the film

John Wayne in «Shepherd of the Hills», 1940. Bild: Bettmann

Aber auch zu ihm gab es femininere Gegenentwürfe: Der grosse Elvis Presley zum Beispiel, der mit seinem Hüftschwung eine ganze Generation Mädchen zum Schreien brachte. Nicht umsonst vermarktete man ihn gern unter dem Slogan «He sings like Marilyn Monroe walks».

1956: Rock and roll singer Elvis Presley strums his acoustic guitar in a portrait in 1956. (Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images)

Rock ’n’ Roll-Legende Elvis Presley, 1956. Bild: Michael Ochs Archives

Marlon Brando, in character as Stanley Kowalski from Tennessee Williams' A Streetcar Named Desire. Brando portrayed Kowalski in the 1952 film of the play directed by Elia Kazan.

Hollywood-Beau Marlon Brando in «A Streetcar Named Desire», 1951. bild: bettmann

Und auch Marlon Brando war eine neue Art Mann, einer, der empfand, der Gefühl hatte und sich nicht scheute, sie auf der Leinwand einem Millionenpublikum zu zeigen. Die Schultern allerdings mussten auch bei all dieser neuen männlichen Empfindsamkeit breit und die Arme stark bleiben.

Der Bouffant der 60er

NBC NEWS - NATIONAL CULTURE CENTER WITH JACQUELINE KENNEDY -- Air Date 11/11/1962 -- Pictured: (l-r) First Lady Jacqueline Kennedy, NBC News' Sander Vanocur discussing plans for the new National Culture Center (later renamed The Kennedy Center) in the Diplomatic Reception Room of the White House on November 5, 1962 -- Photo by: Art Selby/NBC NewsWire

First Lady Jacqueline Kennedy, 1962. bild: Art Selby/NBC NewsWire

So richtig populär wurde dieses hochtoupierte Ungetüm von Frisur mit der First Lady Jacqueline Kennedy. In mehr oder minder extremen Formen trugen gut gekleidete Frauen die ganzen 60er-Jahre hindurch ihr Haar so.

Es war das Jahrzehnt des Haarsprays.

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bild: vintag.es

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bild: pinterest

MEMPHIS, TN - FEBRUARY 5: Rock and roll singer Elvis Presley with his wife Priscilla Beaulieu Presley and their 4 day old daughter Lisa Marie Presley on February 5, 1968 in Memphis, Tennessee. (Photo by Michael Ochs Archives/Getty Images)

Selbst vier Tage nach der Geburt ihrer Tochter hiess es für Priscilla Presley: Zack, Haare rauf! Bild: Michael Ochs Archives

Vogue, October 01, 1965 - Model Mirella Petteni standing with a hand on her hip in front of a backdrop of Plexiglass screens painted by New York based artist David Lerner, using a black and yellow floral pattern from a Ken Scott scarf. She is wearing a high waisted dress with long full skirt of layers of yellow and orange silk chiffon and one shoulder of ostrich feathers by Hannah of Troy of Syntex chiffon. Accessories: K.J.L. earrings; Jack Gilbert rings; I. Miller shoes. Hair by Pierre of the House of Revlon. (Gordon Parks/Conde Nast via Getty Images)Vogue, October 01, 1965 - Model Mirella Petteni standing with a hand on her hip in front of a backdrop of Plexiglass screens painted by New York based artist David Lerner, using a black and yellow floral pattern from a Ken Scott scarf. She is wearing a high waisted dress with long full skirt of layers of yellow and orange silk chiffon and one shoulder of ostrich feathers by Hannah of Troy of Syntex chiffon. Accessories: K.J.L. earrings; Jack Gilbert rings; I. Miller shoes. Hair by Pierre of the House of Revlon. (Gordon Parks/Conde Nast via Getty Images)Vogue, October 01, 1965 - Model Mirella Petteni standing with a hand on her hip in front of a backdrop of Plexiglass screens painted by New York based artist David Lerner, using a black and yellow floral pattern from a Ken Scott scarf. She is wearing a high waisted dress with long full skirt of layers of yellow and orange silk chiffon and one shoulder of ostrich feathers by Hannah of Troy of Syntex chiffon. Accessories: K.J.L. earrings; Jack Gilbert rings; I. Miller shoes. Hair by Pierre of the House of Revlon. (Gordon Parks/Conde Nast via Getty Images)Vogue, October 01, 1965 - Model Mirella Petteni standing with a hand on her hip in front of a backdrop of Plexiglass screens painted by New York based artist David Lerner, using a black and yellow floral pattern from a Ken Scott scarf. She is wearing a high waisted dress with long full skirt of layers of yellow and orange silk chiffon and one shoulder of ostrich feathers by Hannah of Troy of Syntex chiffon. Accessories: K.J.L. earrings; Jack Gilbert rings; I. Miller shoes. Hair by Pierre of the House of Revlon. (Gordon Parks/Conde Nast via Getty Images)

Vogue, 1965. bild: Conde Nast collection

Und während besonders konservative Damen weiterhin an dieser Frisur festhielten, begannen ihre rebellischen Töchter bereits damit, ihr Haar glatt zu bügeln, so wie ihre Folk-Rock-Idole Joan Baez oder Cher.

Actress-singer Cher wearing bell-sleeved tulle and lace minidress with scalloped hem; large rings on each finger. (Photo by Arnaud de Rosnay/Condé Nast via Getty Images)

Cher für die Vogue 1967. bild: Conde Nast collection

Fitness-Boom und Supermodels

LOS ANGELES - APRIL 15: The movie

«Flashdance», 1983. Bild: CBS

Mit Jane Fonda begann in den 80ern ein noch nie dagewesener Fitness-Boom. Mit ihren Aerobic-Videos begannen unzählige Hausfrauen, Teenager und Working Moms auf dem heimischen Teppich zu schwitzen. Man zog sich Stulpen und einen Body über die Leggins und jauchzte dazu so euphorisch wie die trainierenden Damen auf dem Bildschirm.

American actress Jane Fonda during a work-out session, circa 1985.  Photographed in California by Harry Langdon. (Photo by Paul Popper/Popperfoto via Getty Images/Getty Images)

Jane Fonda, 1985. bild: Paul Popper

Gross, schlank und athletisch galt nun als schön, die erste Riege der Supermodels machten es vor: Cindy Crawford, Linda Evangelista, Naomi Campbell, Christy Turlington und Claudia Schiffer.

UNITED STATES - FEBRUARY 1:  Models, Naomi Campbell (left) and Christy Turlington walking down road wearing patterned outfits by Todd Oldham  CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)

Vogue 1992: Naomi Campbell und Christy Turlington. bild: Conde Nast collection

ITALY - DECEMBER 1:  Model Claudia Schiffer, with book on Roman street, wearing capri pants and spencer-style jacket in aqua blue, by Mark Eisen  CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)ITALY - DECEMBER 1:  Model Claudia Schiffer, with book on Roman street, wearing capri pants and spencer-style jacket in aqua blue, by Mark Eisen  CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)ITALY - DECEMBER 1:  Model Claudia Schiffer, with book on Roman street, wearing capri pants and spencer-style jacket in aqua blue, by Mark Eisen  CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)ITALY - DECEMBER 1:  Model Claudia Schiffer, with book on Roman street, wearing capri pants and spencer-style jacket in aqua blue, by Mark Eisen  CREDIT MUST READ: Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images. (Photo by Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)

Claudia Schiffer für Vogue 1994. bild: conde nast collection

Vogue, March 1992 - Model Cindy Crawford posed on a driveway with a white columned portico in the background. She is wearing a red silk suit with soft draped jacket and a miniskirt by Giorgio Armani. Accessories: suede sandals by Maude Frizon; bag by Paloma Picasso. Hair by Christiaan. Makeup by Sonia Kashuk for Aveda. (Arthur Elgort/Conde Nast via Getty Images)

Cindy Crawford für Vogue 1992. Bild: Conde Nast Collection Editorial

Diversity

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bild: unsplash

Und heute?

Heute wird immer mehr versucht, allen Körpern, Typen, Ethnien, Kulturen, Hautfarben, Behinderungen und Geschlechtsidentitäten Raum zu geben. Inklusion heisst das Zauberwort.

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Mama Cax: «Ich bin schön.» bild: instagram/mamacax

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Aaron Philip: «Mode ist mir wichtig, weil es die ultimative Form ist, um sich selbst auszudrücken und mit Geschlechterrollen zu spielen.» bild: twitter/mileycyrus

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Winnie Harlow: «Manche Leute haben schwarze Haut, andere braune. Ich habe beides.» bild: instagram/winnieharlow

Auf dass nicht nur immer das typischwerweise junge, schlanke, grosse, weisse Model zu sehen ist. Auf dass Schönheit endlich so vielfältig wird wie die Menschen selbst.

(rof)

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